Monika Lehmhaus, Vorsitzende des Düsseldorfer Vereins sports partnership
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Vereinstalk #10: Wie sozial benachteiligte Kinder durch Sport gefördert werden

Der Düsseldorfer Verein sports partnership e.V. hat es sich “zur Aufgabe gemacht, jungen Menschen die Chance zu geben, sportlich aktiv zu sein, um ihre körperliche Fitness zu verbessern und sich dabei gleichzeitig auch persönlich weiterzuentwickeln”. Wir haben mit der Vorsitzenden des Vereins, Monika Lehmhaus, über die Gründungsidee, aktuelle Projekte und Probleme sowie ihre Wünsche an die Politik gesprochen.

Hallo Frau Lehmhaus, wir möchten mit Ihnen über den sports partner ship e.V. (sps) sprechen. Was macht der Verein, dessen Vorsitzende Sie sind?

Wir fördern sozial benachteiligte Kinder durch Sport. Meistens als Sport AG im Nachmittagsangebot von Schulen.

Monika Lehmhaus

Bevor wir auf die konkreten Projekte Ihres Vereins eingehen, lassen Sie uns über die Entstehungsgeschichte sprechen. sps wurde ja 2011 von Düsseldorfer Bürgern gegründet. Wer waren diese GründerInnen und wie kamen sie dazu, den Verein ins Leben zu rufen?

Ideengeber war ich. 2011 war ich Vorsitzende des Sportausschusses der Landeshauptstadt Düsseldorf. Wir testen ja alle Düsseldorfer Kinder auf ihre sportmotorische Fitness und müssen Jahr für Jahr feststellen, dass Kinder in Stadtteilen mit sozialem Handlungsbedarf sportmotorisch viel schlechter sind als Kinder aus anderen Stadtteilen.

Marko Seidensticker, mein Stellvertreter, sowie Marei Raddant und Eva Atens-Fischer waren meiner Meinung, dass dies eine absolute Bildungsungerechtigkeit ist. Leider fühlte sich die Stadt Düsseldorf damals nicht berufen, dieses Problem zu lösen. So taten wir uns zusammen gründeten einen Verein, um besonders dieser Zielgruppe zu helfen.

Monika Lehmhaus

Warum haben Sie sich von allen Mitteln, mit denen man Kinder und Jugendliche fördern kann, ausgerechnet den Sport herausgesucht?

In Düsseldorf sind Hauptschulen und Realschulen in Stadtteilen mit sozialem Handlungsbedarf geprägt von einer Migrationsquote der Schüler von etwa 90 Prozent. Wir haben dort viele Kinder, die Sprachschwierigkeiten haben, da liegt es doch nahe, dass man über das Thema Sport kommt, denn hier spielt die Sprachkompetenz keine Rolle, hier wird nicht viel gesprochen, die Regeln sind auf der Welt immer die gleichen. So kann man gerade diese Schüler schnell erreichen und begeistern.

Darüber hinaus leben diese Kinder häufig in beengten Wohnverhältnissen und da ist es ganz wichtig, über Sportangebote Aggressionen und Langeweile abzubauen und fehlende Anlaufpunkte außerhalb der Familie anzubieten. Wir integrieren diese Kinder durch den Sport in unserer Gesellschaft.

Monika Lehmhaus
Das integrative Potenzial von Sport(vereinen) betonte auch unser Interviewpartner Gerd Thomas, Vorsitzender des FC Internationale Berlin. Mit ihm haben wir darüber gesprochen, wie Vereine junge Leute fit für die Zukunft machen könn(t)en.

Welche Projekte führt sports partner ship konkret durch? Können Sie uns hier zwei, drei Beispiele nennen und erläutern?

Unser erstes Projekt war Reiten an einer Hauptschule. Jetzt werden Sie sicherlich denken, das ist aber ganz schöner Luxus. Ist es aber nicht. Wir sind mit einer Klasse auf einem Ponyhof und haben dort, über eine hervorragende Pädagogin, die Möglichkeit, den Kindern den Bezug zum Tier zu ermöglichen. Die Kinder lernen nicht nur, das Pferd zu pflegen, es richtig zu füttern, sondern es auch zu reiten.

Bei diesem Projekt geht es uns sehr um das Thema Ängste überwinden, Nähe/ Wärme spüren und Verantwortung übernehmen. Zum Beispiel hat ein kleines, im Gesicht entstelltes syrisches Mädchen, das bis zu unserem Projekt mit keinem redete, über das Pferd seine Sprache wieder gefunden. Was gibt es Schöneres?

Unser größtes Projekt, mit dem wir an sieben Schulen sind und dort 16 AGs betreuen, ist das Projekt Basketball at school. Wir starten immer jahrgangsübergreifend in Klasse fünf und sechs, dann sieben und acht, manchmal auch neun und zehn. Zu unseren AGs kommen professionelle Trainer aus dem Sportverein, die den Kindern die Sportart Basketball beibringen. In den entsprechenden Sports Partner Ship Turnieren spielen die Schulen dann gegeneinander. Dies ist für die Kinder immer ein besonderes Erlebnis. Hier wird gemeinsam gewonnen und gemeinsam verloren, nur das Team zählt.

Monika Lehmhaus
Basketballteam des sps

Basketball at School Mannschaft (© Foto: sports partnership e.V.)

Inwiefern macht sich die Corona-Krise in Ihrer Arbeit bemerkbar? Der Sport gehört ja – gelinde gesagt – nicht gerade zu den Krisengewinnern.

Ja, Corona macht uns schwer zu schaffen, die Durchführung der Turniere ist nicht einfach und die Generierung von Sponsorengeldern ist besonders schwer.

Monika Lehmhaus

Wenn Sie einen Wunsch an die Politik frei hätten: Wie würde der lauten?

Die Stadt Düsseldorf sollte an den Schulen in Stadtteilen mit sozialem Handlungsbedarf – und hier spreche ich vor allem von weiterführenden Schulen wie Hauptschulen und Realschulen und Gesamtschulen – einen extra Budgettopf haben, um Sport AGs in noch größerem Maße als wir es können anzubieten. Der Bedarf für die Kinder ist riesig.

Monika Lehmhaus

Frau Lehmhaus, wir danken Ihnen vielmals für das Gespräch und wünschen Ihnen, dem sports partnership e.V. und den von diesem geförderten Kindern und Jugendlichen alles Gute!



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