So gewinnt ein Düsseldorfer Großsportverein Ehrenamtliche
Rund 2.200 Mitglieder, Tendenz steigend: Die DJK TuSA 06 aus Düsseldorf scheint einiges richtig zu machen. Auch bei der Suche nach Ehrenamtlichen, denn ohne diese könnte der Verein die vielen Sporttreibenden nicht in Bewegung halten.
Der Wichtigkeit ehrenamtlichen Engagements scheint man sich an Düssel und Rhein bewusst zu sein: Das erste, das der Besucher der Vereinswebsite sieht, ist eine Grafik mit dem Spruch “Mehr Ehre als Amt – Ehrenamt bei TuSa 06 Düsseldorf”. Und im Hauptmenü der Seite kommt an Punkt zwei, direkt hinter “Unser Verein”, der Punkt “Ehrenamt”. Eine solche Prioritätensetzung sieht man nicht auf vielen Vereinswebsites. Grund genug, mit der 1. Vorsitzenden Ute Groth darüber zu sprechen, wie die DJK TuSA 06 die Suche nach Ehrenamtlichen angeht.
Hallo Frau Groth, bitte stellen Sie sich unseren Leser*innen kurz vor: Wer sind Sie, wo kommen Sie her und was machen Sie, wenn die Vereinsarbeit einmal ruht?
Wer bin ich? Eine nun fast 64-jährige Frau, zwei erwachsene Kinder. In Düsseldorf geboren und geblieben. Ausbildung als Bauzeichnerin, später Studium der Architektur, aber mit der Rolle als zweifache Mutter nicht zu Ende geschafft. Daraus wurde ein Arbeitsleben als Planerin/Bautechnikerin im Bereich Gesundheitsbauten, das bis heute spannend ist und viel Freude macht.
Seit wann sind Sie bei der TuSA 06 und wie sind Sie zu “Ihrem” Verein gekommen?
Mit der TUSA bin ich vor mehr als 30 Jahren als Mutter eines Sohnes und Ehefrau des dann Trainervaters Fußball in Berührung gekommen. Der weibliche Teil der Familie war von den Wochenenden auf dem Fußballplatz wenig begeistert. Das hat sich nach einer Woche Jugendaustausch mit einem englischen Team geändert. Für mich war danach klar, dass Sportvereine auch ‚Sozialarbeit‘ leisten, und Verein wurde mir zunehmend sympathisch.
Wie und wann kamen Sie auf die Idee, sich als 1. Vorsitzende einzubringen?
Nach der Mitarbeit bei den Jugendaustauschen und später in der Öffentlichkeitsarbeit habe ich mich als Kandidatin für den 1. Vorsitz in der Jahreshauptversammlung 2007 zur Wahl gestellt. Der damalige Vorstand hatte im Vorfeld die Nachfolge regeln wollen, aber niemanden gefunden. Die Mitglieder hatten also keine Wahl, ich war die Einzige die Lust auf das Amt hatte. ?
Lassen Sie uns über die DJK TuSA 06 sprechen: Welche Sport- und weiteren Angebote macht der Verein und für wen?
Wir sind ein Mehrspartenverein und haben in der Historie sportliche Erfolge auch auf Bundesebene im Tischtennis (Eberhard Schöler), Basketball und Leichtathletik. Mit Volleyball, Beachvolleyball, Fußball und den klassischen Kinderturn- und Gesundheitssportangeboten für Erwachsene haben wir ein breites Spektrum.
Ein Vorhaben für meine Vorstandsarbeit war, den Verein auch für Frauen- und Mädchen interessanter zu machen. Das haben wir mit über 200 Fußballerinnen (von 700 Aktiven) und fast der Hälfte Frauen und Mädchen in der Volleyball- und Leichtathletikabteilung geschafft. Als nächstes sind die Basketballer ‚dran‘. Neu auf der Agenda, und nächste Woche mit einer ersten Veranstaltung, ist das Thema Sport für Menschen mit geistiger Einschränkung.
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Es gibt rund 2.000 Mitglieder in “Ihrem” Verein. Was macht den Verein aus, dass sich so viele Menschen dazu entscheiden, einzutreten? Es gibt ja sicherlich viele weitere Sportangebote in Düsseldorf.
Wir sind im Stadtteil vernetzt, haben eine gute Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten. Unserer Trainer*innen sind alle ausgebildet. Viele Mitglieder sind aus Familien, in denen schon die Großeltern bei und mit uns Sport getrieben haben. Es gibt vielfältige Angebote in den Ferien. Wir haben sportliche Erfolge, die motivieren, eine schöne Sportanlage, haben ein vertrauensvolles Miteinander und sind offen für Neues.
Spielen diese Faktoren auch eine Rolle bei der Suche nach Ehrenamtlichen? Und wie viele freiwillig Mitarbeitende hat die TuSA?
Wir haben für die Aufgabe, unsere Mitglieder in Bewegung zu bringen, circa 165 Ehrenamtliche als Trainer*innen. Dazu kommen noch die, die ohne Funktion in den Mannschaften oder bei Veranstaltungen helfen. Für übergreifende Aufgaben in der Sportorganisation gibt es die Abteilungsleitungen, das sind nochmal etwa 20 Personen. Es fehlen aber ständig weitere helfende Hände.
Dazu muss man sagen: Wir haben eine hauptamtlich Beschäftigte mit Ausbildungsprofil Vereinsmanagerin mit 40 Stunden pro Woche, die sich mit Mitgliederverwaltung beschäftigt und die ‚tagsüber‘ Kontakte zu Sportamt, Stadtsportbund, Schulen et cetera hält, den Posteingang und so weiter erledigt.
Das klingt so, als machten Sie einiges richtig bei der Suche nach Ehrenamtlichen. Welche Maßnahmen ergreift Ihr Verein dabei konkret?
Da weiter Menschen gesucht werden, die ehrenamtlich mitmachen, haben wir ein interessiertes Mitglied zum ‚Ehrenamtsbeauftragten‘ schulen lassen. Ein kreativer Kopf, der für uns eine Kampagne entwickelt hat, die auf dem Vereinsgelände, der Website und sozialen Medien sichtbar ist. Dort werden konkret Aufgabenfelder, die nicht besetzt sind, beschrieben. In anschließenden persönlichen Gesprächen vermitteln wir, dass Aufgaben nach persönlichem Interesse und Zeit von jedem mitgestaltet werden können, Kreativität ist uns wichtig.
Wir betonen auch die Möglichkeit, im Verein Erfahrungen sammeln zu können. Die Erfahrung, die ich mit Vorbereitung und Sitzungsleitung der Jahreshauptversammlung sammeln konnte, haben bei beruflichen Besprechungen und Sitzungsleitungen enorm geholfen.
Wir haben nun ‚Mitmacher‘, die beruflich viel am Schreibtisch sitzen und bei uns gerne handwerklich tätig sind. Zu renovieren und basteln ist immer etwas. Oder auch die, die sich gerne mit ‚Schreibkram‘ beschäftigen und unseren Schriftwechsel bei Antragsstellungen gerne mit bearbeiten. Unsere nächsten Schritte sind die Einführung von ‚Dankeschön-Ritualen‘ und auch die Durchführung eines Festes für unsere Ehrenamtler ist geplant.
Da sind kaum “harte” Faktoren dabei, dafür viele “weiche”. Sind Zweitgenannte Ihrer Meinung nach wichtiger? Und warum?
Mitarbeit im Verein, die uns gemeinsam weiterbringt, Freude macht und eine Bereicherung ist, sollte die Motivation sein, dann klappt es.
Hat sich das Ehrenamt in den vergangenen Jahren gewandelt? Und was denken Sie, wie es sich künftig entwickeln wird?
Insgesamt ist die berufliche Situation deutlich anders als noch vor 20 bis 30 Jahren. In der Regel sind in Familien beide Elternteile berufstätig. Zur Verfügung stehende Zeit wird knapper und damit die Bereitschaft, sich auf Mitarbeit im Verein einzulassen. Engagement ist weiter vorhanden, aber die Festlegung auf längere Zeiträume für Mitarbeit (klassisch 3 Jahre Amtszeit als Vorsitzender, Schatzmeister et cetera) ist fast nicht mehr realisierbar.
Zukünftig werden die kontinuierlich zu erledigenden Aufgaben von hauptamtlichen Kräften bearbeitet werden müssen. Die ehrenamtlich Tätigen werden projektbezogen, je nach Zeit und Interessen, gerne weiter mitarbeiten und mitgestalten.
Liebe Frau Groth, wir danken Ihnen vielmals für Ihre Zeit und Ihre Antworten und wünschen Ihnen und der DJK TuSA 06 alles Gute!