Erste Hilfe - Das müssen Vereine beachten
Knapp ¾ aller Sportler haben sich schon einmal beim Sporttreiben verletzt, fast jeder Fünfte sogar schon einmal schwer. Dementsprechend relevant ist es für Sportvereine zu wissen, was sie im Falle eines Notfalls oder einer Verletzung zu tun haben. Im Folgenden klären wir nicht nur, welche rechtlichen Vorgaben es bezüglich Erster Hilfe im Sportverein gibt, sondern geben dir zusätzlich noch Tipps, wie du das Risiko für Sportunfälle minimieren kannst und im Falle eines Unfalls gerüstet bist.
Das Deutsche Rote Kreuz bietet einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs für Sportvereine an. Alle Informationen dazu und die nächsten Kurse in deiner Nähe findest du auf der Website des DRK. Zusätzlich bietet unter anderem der Stadtsportverband Moers Erste-Hilfe-Kurse speziell für Vereine an.
Welche medizinische Ausrüstung sollte ich haben?
Vereine sind dazu angehalten Art, Menge und Aufbewahrungsorte des Erste-Hilfe-Materials so zu wählen, dass dies bei einem Unfall unmittelbar griffbereit ist. Konkrete Vorschriften, welcher Verein welches Erste-Hilfe-Material haben muss, gibt es hingegen keine.
Die Sportjugend Hessen empfiehlt zur Orientierung jedoch die folgenden Richtwerte:
- Bei bis zu 50 Personen: kleiner Verbandskasten nach DIN 13157
- Bei 51 bis 300 Personen: großer Verbandskasten nach DIN 13169
- Für alle weiteren 300 Personen: weiterer großer Verbandskasten nach DIN 13169, welcher an möglichst an einer anderen Stelle als die anderen Verbandskästen aufbewahrt werden sollte
- Sportvereine mit mehreren Sportarten oder einer großen Sportanlage sollten generell einen großen Verbandskasten nach DIN 13169 haben
Wichtig ist außerdem, dass die Erste-Hilfe-Kästen regelmäßig auf Vollständigkeit und Haltbarkeit (Sterile Produkte sind üblicherweise knapp 5 Jahre haltbar) kontrolliert wird. Das Ablaufdatum des Erste-Hilfe-Kastens ist normalerweise auf der Außenseite des Kastens zu finden.
Ebenfalls empfehlenswert sind Defibrillatoren, welche bei einem Herzstillstand lebensrettend sein können. Diese findet man mittlerweile auch in immer mehr Sporthallen. Gerade der Herzstillstand von Christian Eriksen bei der EM 2021 hat das Thema “Plötzlicher Herztod im Sport” in der Öffentlichkeit bekannter gemacht.
Dadurch werden mittlerweile auch generell die Rufe nach mehr Defibrillatoren an Sportanlagen lauter und es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis diese irgendwann, zumindest auf größeren Sportanlagen verpflichtend sein werden. Alleine im Profifußball kam es in den letzten 5 Jahren zu 84 Todesfällen durch den Plötzlichen Herztod. Im Amateurbereich wird diese Zahl - allein schon aufgrund der schlechteren medizinischen Versorgung - noch um ein Vielfaches höher sein.
Der richtige Umgang mit Defibrillatoren wird in Erste-Hilfe-Schulungen vermittelt. Generell sind Defibrillatoren heutzutage allerdings derart intuitiv gestaltet, dass sie auch ohne entsprechende Schulung benutzt werden können. Anwesende Personen sollten daher im Falle eines Notfalls keine falsche Scheu haben den Defibrillator zu verwenden, Zumal hier im Notfall gilt: Alles ist besser als gar nicht zu handeln!
Welche Vorgaben gelten für Sportveranstaltungen?
Auch bei Sportveranstaltungen gibt es keine gesetzliche Regelung, die Sportvereine verpflichtet gewisse Erste-Hilfe-Vorgaben zu erfüllen. Allerdings heißt dies nicht, dass jede Sportveranstaltung einfach ohne Erste-Hilfe-Vorkehrungen durchgeführt werden kann. Denn wenn eine Sportveranstaltung beim zuständigen Ordnungsamt angemeldet werden muss, kann es sein, dass das Ordnungsamt selbst Vorgaben gibt, welche Vorkehrungen getroffen werden müssen.
Leitfragen, nach denen das Ordnungsamt dabei üblicherweise entscheidet, welche Vorkehrungen notwendig sind, sind unter anderem folgende:
- Wie groß ist die Veranstaltung (Größe der Veranstaltungsfläche, Anzahl der Teilnehmenden)
- Um welche Art von Veranstaltung handelt es sich?
- Wie hoch ist das Gefahrenpotenzial?
- Gibt es Erfahrungen aus vergangenen Veranstaltungen?
- Wo befindet sich die nächste Rettungswache?
Während bei kleineren Veranstaltungen schon die Anwesenheit von Ersthelfern – also Personen, die einen gültigen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben – ausreichend ist, kann es bei größeren Veranstaltungen oder Veranstaltungen mit einem erhöhten Verletzungsrisiko auch notwendig sein, dass Sanitäter:innen vor Ort sind.
In vereinzelten Fällen (allerdings nur bei Veranstaltungen mit über 500 Personen) werden von den Ordnungsämtern sogenannte Gefährdungsanalysen durchgeführt, wofür vorbereitete Fragebögen verwendet werden.
Wie kann ich Sportverletzungen vermeiden?
Durch eine gute Vorbereitung vor dem Training stellst du den Körper deiner Sportler:innen auf die kommende Belastung ein. Dadurch kannst du Verletzungen, die durch plötzliche Belastung entstehen, vermeiden. Dabei solltest du dich erst allgemein erwärmen, sprich: alle größeren Muskelgruppen deines Körpers, sowie dein Herz-Kreislauf-System aktivieren. Im Anschluss kannst du dann die sportartspezifische Erwärmung folgen lassen, bei der du dich auf die Muskelgruppen und die Belastungen konzentrierst, die in deinem Training besonders beansprucht werden.
Auch die Ausrüstung beim Sport kann helfen, Verletzungen und Unfälle zu vermeiden. Sei es stabiles Schuhwerk, welches das Verletzungsrisiko durch Stolpern oder Umknicken minimieren kann, aber auch Schutzausrüstung wie Helme oder Schienbeinschoner.
Ebenfalls wichtig ist, dass das Training an den aktuellen Leistungsstand der Sportler:innen angepasst ist. Das ist nicht nur relevant, um die Leistungsentwicklung deiner Sportler:innen ideal zu fördern, sondern auch um überlastungsbedingte Verletzungen zu vermeiden. Denn bei zu hoher Belastung sorgt nicht nur die Ermüdung der Muskulatur für ein erhöhtes Verletzungsrisiko, sondern es leidet zugleich die Bewegungskoordination, was die Verletzungsgefahr zusätzlich erhöht. hierfür ist natürlich den Leistungsstand der Trainingsgruppe überhaupt zu kennen. Dafür kannst du beispielsweise in regelmäßigen Abständen Kraft- und Ausdauertests durchführen
Um eine Überlastung deiner Spieler:innen zu vermeiden, musst du natürlich erstmal den Leistungsstand deines Teams kennen. Damit du dir ein besseres Bild über die körperlichen Voraussetzungen deiner Trainingsgruppe machen kannst, bietet Vereinsticket in Zusammenarbeit mit der BARMER für Sportvereine eine kostenlose Körperanalyse an. Alle Infos, wie das Ganze funktioniert, erhältst du hier.
Ein anderer wichtiger Punkt, bei der Vermeidung von Sportunfällen und Verletzungen sind Sicherheitsvorkehrungen an der Sportstätte vor dem Trainings- und Wettkampfbetrieb. Gerade bei öffentlichen Veranstaltungen wie Wettkämpfen ist dies auch aus rechtlichen Gründen wichtig, da für Vereine dann die Verkehrssicherungspflicht besteht – Sie also vorhersehbare Gefahren ausräumen oder vor ihnen warnen müssen. Die Sportjugend Hessen empfiehlt dazu beispielsweise (in Absprache mit der ARAG-Versicherung) die folgenden Maßnahmen:
- Größere Unebenheiten auf den Sportplätzen beseitigen
- Sicherstellen einer angemessenen Beleuchtung der Sportanlage
- Gefahrenstellen (z.B. Baustellen, Hindernisse) sind abzusichern oder falls möglich zu entfernen
- Gefährliche Geräte oder Stoffe müssen sicher gelagert und ggf. Eingeschlossen werden
- Bäume und Büsche auf der Sportanlage sollten regelmäßig kontrolliert und ggf. Geschnitten werden, um Gefahren durch Astbruch oder umstürzende Bäume zu verringern
- Sportgeräte sollten regelmäßig gewartet und defekte Sportgeräte umgehend aus dem Verkehr gezogen werden
Für den Fußball hat der DFB im Jahr 2020 einen Leitfaden zur Verkehrssicherheit auf dem Sportplatz herausgebracht, in dem insbesondere auf die Sicherung von mobilen Toren eingegangen wird. Den gesamten Text findest du hier.
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Sind Vereine verpflichtet, einen Ersthelfer zu haben?
Anders als bei Betrieben gibt es in Deutschland für Vereine theoretisch keine Pflicht für einen Ersthelfer. Wenn du aber planst, ein lizenzierter Übungsleiter bzw. eine lizenzierte Übungsleiterin zu werden, benötigst du dazu einen Erste-Hilfe-Kurs, welcher zu diesem Zeitpunkt nicht älter als zwei Jahre ist. Eine Pflicht zur regelmäßigen Auffrischung des Erste-Hilfe-Kurses gibt es in den meisten Fällen nicht, allerdings wird dies nichtsdestotrotz empfohlen. Je nachdem wie es in deinem Verein oder Dachverband geregelt ist, werden die Teilnahmegebühren vom Verein oder Verband getragen.
Damit du gut vorbereitet bist
Diese Bücher könnten dir als Rat zur Seite stehen:
- Erste-Hilfe-Handbuch: Wissen, Ratschläge, Selbsthilfe
- Erste Hilfe bei Sportverletzungen
- Handbuch Sportverletzungen: Prävention. Diagnostik und Therapie
Sportvereine, Vereinsarbeit, Vereinswissen