Biathlet Simon Kaiser über seinen Weg ins Nationalteam
Wenn an diesem Wochenende die zweite Station des Biathlon-Weltcups 2024/25 in Hochfilzen startet, wird dabei erstmals auch Simon Kaiser für das deutsche Team an der Startlinie stehen. Der 25-Jährige stand bereits in den letzten beiden Saisons dank guter Leistungen im IBU-Cup immer wieder kurz vor einem Weltcup-Debüt, nun wurde er endlich nominiert und darf sich auf der ganz großen Bühne mit der Weltspitze messen. Sein Weg dorthin war dabei ein ganz besonderer. Denn Simon wuchs nicht etwa in einer großen Skiregion auf, sondern an der Grenze zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz.
Erste Schritte im Biathlon
In Simons Heimatort Hoppstädten-Weiersbach kennt man Biathlon üblicherweise höchstens aus dem Fernsehen. Und auch Simon kommt dadurch erstmals mit dem Sport in Kontakt, dass er die Rennen der damaligen Stars im Fernsehen sieht. Sofort ist er begeistert von dem Sport und Athleten wie Raphel Poiree, Ole Einar Björndalen oder Michael Greis werden zu seinen Idolen. Was ihm jedoch lange fehlt, ist eine Möglichkeit, selbst den Sport auszuüben.
Zwar fährt er Inliner und ist im Winter – wenn es doch mal etwas schneit – auf Langlaufski unterwegs. Mit wirklichem Biathlon-Training ist das jedoch lange Zeit nicht zu vergleichen. Das ändert sich 2012, als er auf das Biathlon Team Saarland stößt. Dort kann er erstmals gezielt für den Biathlonsport trainieren und bestreitet seine ersten Rennen im Deutschen Schülercup.
Mit 14 Jahren zum Ski-Gymnasium
Nach zwei Jahren mit guten Leistungen im Deutschen Schülercup, wechselt er im Sommer 2014 mit gerade mal 14 Jahren ans Ski-Gymnasium nach Oberhof. Ein Wechsel, der ihm zu Beginn nicht leichtfällt, immerhin ist die Wintersport-Hochburg fast 400km von seiner Heimat und damit auch von Familie und Freunden entfernt.
In Oberhof verbessert er sich nochmal deutlich und kann seine ersten Podestplätze und schließlich auch Siege im Deutschlandpokal sammeln. Nach einer Saison, in der er nach gutem Start durch eine Krankheit zurückgeworfen wurde, verpasst er nach dem Abitur jedoch einen Platz im Kader und erhält dadurch keinen Platz in einer Sportfördergruppe.
Dadurch muss er in seiner Ausbildung regulär arbeiten und sein Training um die Arbeit herum organisieren. Da er so auch zu den regulären Trainingszeiten keine Zeit hat, hat er nicht nur weniger Zeit für seine Trainingseinheiten und zur Regeneration, sondern muss seine Trainingseinheiten auch überwiegend alleine absolvieren.
Erste internationale Erfolge und Sprung in den A-Kader
Trotz dieser Doppelbelastung verfolgt er weiter sein Ziel und kann 2021 erstmals international auf sich aufmerksam machen. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Obertilliach bleibt er erstmals fehlerfrei und verpasst im Sprint als Vierter um gerade mal 1,8 Sekunden einen Podestplatz.
Das erste internationale Edelmetall sammelt er stattdessen zwei Jahre später beim IBU-Cup (sogenannte “zweite Liga des Biathlons” unterhalb des Weltcups) im kanadischen Canmore. Nachdem er im Sprint abermals knapp Vierter wird, gelingt ihm im Massenstart mit nur zwei Fehlern bei 20 Schuss sein erster Podestplatz.
Durch diese Ergebnisse und seine starken Laufleistungen, wird Simon im April 2023 schließlich für den A-Kader nominiert. Mit den Weltcup-Athleten um Benedikt Doll, Roman Rees und Phillip Nawrath bereitet er sich dort auf die kommende Saison vor - muss selbst allerdings wieder im zweitklassigen IBU-Cup starten. Dort verbessert er sich jedoch weiter und kann im norwegischen Sjusjoen sogar seinen ersten IBU-Cup-Sieg erzielen. Ein Weltcup-Einsatz bleibt trotzdem abermals aus. Auch diese Saison begann für ihn abermals im IBU-Cup doch starke und vor allem konstante Platzierungen in den Top10 zum Auftakt in Idre und Geilo, brachten ihm nun das langersehnte Ticket in den Weltcup.
Video-Interview mit Simon Kaiser
Wir hatten bereits im Sommer 2023 Simon über seinen Einstieg in den Biathlonsport, seinen Weg ins Nationalteam und seine Ziele für die Zukunft gesprochen. Im Video-Interview erfährst du zudem, was Biathlon für Simon so besonders macht und was sich für ihn geändert hat, seitdem er Teil des Nationalteams ist.