FSJ im Sportverein: Das musst du beachten
Ein freiwilliges soziales Jahr ist oft ein guter Einstieg für Sportvereine, um erstmals eine hauptamtliche Stelle aufzubauen. Doch für welche Vereine lohnt sich ein FSJ überhaupt? Wie viel kostet das Ganze? Und welche Anforderungen muss ein Verein dafür erfüllen? Über diese und viele weitere Fragen haben wir mit Pascal Grüne und Martin Schüttler gesprochen. Die beiden haben 2020 den Podcast “Vereinsstrategen” ins Leben gerufen, in dem sie seitdem ihr Know-How rund um die Organisation von Sportvereinen mit ihren Hörern teilen.
Pascal ist zudem als Engagement- und Prozessberater beim Landessportbund Niedersachsen aktiv und führt einen Großsportverein in Norddeutschland mit über 2100 Mitgliedern. Und auch Martin, der sich momentan um die Finanzen der EURO 2024 kümmert, war mit Werder Bremen und dem 1.FC Köln bereits bei zwei sehr großen Vereinen tätig.
Interview mit den "Vereinsstrategen"
Hallo ihr beiden. Erst einmal danke, dass ihr euch die Zeit nehmt, um mit uns über das freiwillige soziale Jahr im Sportverein zu sprechen. Ihr seid ja beide bereits seit vielen Jahren in Sportvereinen tätig. Welche Erfahrungen habt ihr in dieser Zeit mit dem FSJ machen können?
Also ich habe ja als Vorbereitung auf mein Sportmanagement-Studium selbst ein FSJ gemacht, um herauszufinden, ob der Bereich das Richtige für mich ist. Und wie man sieht, hat das ja ganz gut geklappt (lacht). Ich konnte dadurch auch überhaupt erstmals einen Einblick ins Berufsleben bekommen. Da habe ich dann total einfache, aber wichtige Dinge gelernt, wie Serienbriefe oder Grafiken zu erstellen. Das klingt erstmal banal, aber das sind Dinge, von denen ich heute noch profitiere.
Welche Aufgaben hast du während deines FSJs beim 1. FC Köln übernommen?
Generell konnte ich in der Zeit sehr viel ausprobieren. Gleich zu Beginn habe ich eine Trainerlizenz gemacht und zum ersten Mal beim Training mit Kindern gearbeitet. Gleichzeitig habe ich Aufgaben in der Verwaltung übernehmen können. Dabei habe ich auch an Projekten wie der Lizensierung des Jugendleistungszentrums mitgearbeitet und Recherchen für das neue Sportinternat gemacht. Gerade das war rückblickend sehr cool, da das Sportinternat später tatsächlich neben dem Rhein-Energie-Stadion in Köln gebaut wurde. Immer wenn ich dort jetzt vorbeifahre, sehe ich nochmal, dass sich die Arbeit damals wirklich gelohnt hat.
Für dich hat sich das FSJ also damals sehr gelohnt. Welche Vorteile hat man denn umgekehrt als Verein von der Anstellung eines FSJlers?
Der wichtigste Vorteil ist auf jeden Fall die Zeit, die ein FSJler mitbringt. Zum einen natürlich die Menge an Zeit, die ein FSJler hat, aber vor allem auch, dass er in der Zeit verfügbar ist, in der andere Personen arbeiten müssen. Dadurch können Vereine plötzlich beispielsweise auch Programme in Kitas oder Schulen anbieten, die vorher so zeitlich nicht möglich gewesen wären. Zudem bringt ein FSJler als junge Person auch neue Talente und gegebenenfalls auch neue Perspektiven in den Verein ein.
Du hast gerade schon den Zeit-Aspekt angesprochen. Wie viele Stunden darf ein FSJler denn normalerweise arbeiten?
Das FSJ ist im Jugendfreiwilligengesetz geregelt: Dort ist unter anderem vorgeschrieben, dass ein FSJ normalerweise in Vollzeit und somit mit bis zu 40 Arbeitsstunden pro Woche ausgeführt wird. Da sich bei Vereinen ja ein Großteil des Vereinslebens am Wochenende abspielt, ist natürlich auch Wochenendarbeit möglich. Auch Überstunden sind möglich, die dürfen jedoch nicht ausgezahlt werden, sondern es muss dafür Freizeitausgleich ermöglicht werden.
Welche sonstigen Regelungen muss man als Verein beachten, wenn man ein FSJ im Verein anbieten will?
Um eine Einsatzstelle zu werden, muss man dies beim zuständigen Träger - also meistens der Sportjugend des jeweiligen Bundeslandes - anerkennen lassen. Zur Genehmigung muss man einen Antrag und verschiedene Anhänge ausfüllen. Das klingt vielleicht erstmal abschreckend, insgesamt ist der bürokratische Aufwand aber relativ gering. Damit man tatsächlich ein FSJ im Verein anbieten kann, muss der Verein als gemeinnützig anerkannt sein und der Zweck des Vereins muss sich um den Sport drehen. Außerdem muss der Verein Mitglied im Fachverband, im Kreis- oder Stadtsportbund und im Landessportbund sein.
Gibt es Vorgaben, für welche Tätigkeiten der FSJler eingesetzt werden darf?
Es ist vorgegeben, dass 70% der Tätigkeitszeit im FSJ in die Kinder- und Jugendarbeit fließen sollen. Zudem muss es einen Einsatzplan geben, aus dem hervorgeht, wofür der FSJler eingesetzt wird. Insbesondere für kleinere Vereine interessant ist, dass es auch die Möglichkeit gibt, Kooperationen mit Kitas, Schulen oder Partnervereinen einzugehen. Dadurch können entsprechend auch die Kosten geteilt werden, was das Ganze finanziell attraktiver macht. Zudem bietet sich somit auch für Vereine die Möglichkeit, ein FSJ anzubieten, die ansonsten nicht genügend Aufgaben hätten, um damit eine 40-Stunden-Woche zu füllen. Außerdem wichtig ist, dass der FSJler in der Zeit entsprechend betreut und angelernt werden muss. Dafür muss im Vorfeld eine Person für die pädagogische Betreuung angegeben werden.
Welche Kosten kommen auf einen Sportverein bei einem FSJ zu?
Laut der Sportjugend NRW betragen die monatlichen Kosten ca. 450 Euro für den Verein. Darin enthalten sind 315 Euro Taschengeld und anteilig etwa 127 Euro Sozialversicherungsbeiträge. Hinzu kommen unter anderem Fahrtkosten, sowie Kosten für Trainerlizenzen, Unfallversicherung und Bildungstage von der Sportjugend. Gemessen an den Möglichkeiten, die ein FSJler einem Verein bietet, ist das finanziell also noch vergleichsweise erschwinglich.
Was ratet ihr Vereinen, die überlegen, ein FSJ anzubieten?
Vorab: Wenn ihr ein FSJ ermöglichen könnt, zieht es auf jeden Fall in Betracht. Denn eine solche Stelle kann dem Verein neue Möglichkeiten in der Vereinsentwicklung geben. Dank der Möglichkeit, Kooperationen einzugehen, ist das Ganze auch unabhängig von der Vereinsgröße machbar. Größtes Problem beim FSJ ist jedoch der geringe Verdienst des FSJlers, der das Ganze finanziell vergleichsweise unattraktiv macht. Hier sollte man sich als Verein überlegen, wie man es schafft, das Ganze so zu gestalten, dass es sich dennoch auch für den FSJler lohnt. Beispielsweise indem der Verein dem FSJler zusätzliche Weiterbildungen oder Ausstattung bezahlt. Zu guter Letzt kann ich euch empfehlen, euch auf der Homepage der Sportjugend in eurem Verband zu informieren. Dort findet ihr nicht nur viele Informationsunterlagen, sondern auch Ansprechpartner, an die ihr euch bei offenen Fragen wenden könnt.
Vielen Dank euch beiden für eure Zeit und die hilfreichen Tipps.
Mehr Informationen rund ums FSJ im Sport
Wenn du noch mehr über das freiwillige soziale Jahr im Sportverein erfahren möchtest, gelangst du hier auf die Homepage der Sportjugend. Dort findest du neben weiteren Informationen auch eine Liste mit den Sportjugenden der einzelnen Verbände, an die ihr euch bei weiteren Fragen wenden könnt. Alternativ kannst du dir hier die Podcast-Folge der Vereinsstrategen zum Thema “FSJ - Ein Weg zum Hauptamt auch für kleinere Vereine?” anhören.
Vereinstalk, Hauptamt, Vereinsarbeit