Frauenfußballteam
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Frauenfußball in Deutschland: verboten, belächelt, erfolgreich

Der Frauenfußball ist heute sehr erfolgreich in Deutschland und zählt zu den am schnellsten wachsenden Sportarten. Seit 50 Jahren wird hierzulande offiziell Frauenfußball gespielt. Doch die Spielerinnen standen anfangs vor großen Hindernissen. Mehr zu der Geschichte des Frauenfußballs und zu seinem heutigen Stellenwert erfährst du im Folgenden.

Erstes Kicken: Anfang des 20. Jahrhunderts

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielen Frauen erstmals eine Art Fußball. Hierzu stehen sie in einem Kreis und spielen sich gegenseitig den Ball zu. Was als erste Belege des Frauenfußballs bezeichnet werden kann, gilt seinerzeit als moralisch verwerflich. Es soll noch viele Jahrzehnte dauern, bis sich diese Einstellung zum Frauenfußball ändert.

Frauenfußball in der BRD

Während der Teilung Deutschlands entwickelt der Frauenfußball in der DDR und in der BRD auf unterschiedliche Weise. Besonders im Westen erschweren Verbote den Spielerinnen das Spielen.

1950er Jahre: Verbot des Frauenfußballs durch den DFB

Anfang der 1950er Jahre werden Frauen im Fußball belächelt und oft mit sexistischen Kommentaren konfrontiert. Diese Einstellung den Frauen gegenüber beschränkt sich jedoch nicht ausschließlich auf den Fußball: Die Frauen sind generell ins Private zurückgedrängt und benötigen die Erlaubnis ihrer Männer, wenn sie Aktivitäten außerhalb ihres Zuhauses nachgehen wollen.

Am 30. Juni 1955 fällt der DFB einstimmig den Entschluss, seinen Vereinen Frauenfußball-Abteilungen zu verbieten und ihnen zu untersagen, Frauen ihre Sportplätze zur Verfügung zu stellen. Als Begründung für diese Entscheidung dient der Vorwand, diese “Kampfsportart” sei nicht mit der Natur der Frau vereinbar. Am 16. November 1957 wird das Verbot offiziell. Ärzte meinen, dass die Frauen beim Spielen körperlichen und seelischen Schaden nehmen.

Späte 50er und 60er: Frauen lassen sich das Spielen nicht untersagen

Doch die Hoffnung des DFB, dem Frauenfußball einen Riegel vorzuschieben, bleibt unerfüllt. Es bilden sich sogenannte “wilde Mannschaften”. 1956 gründet der Kaufmann Willi Ruppert den Westdeutschen Damenfußballverband und 1957 den Deutschen Damenfußballverband. 1958 entsteht die Deutsche Damen-Fußballvereinigung unter der Leitung von Josef Floritz. Diese organisiert trotz des Verbots bis 1965 ungefähr 150 inoffizielle Länderspiele.

1970er: Ende des Verbots und erste Meisterschaften

Der DFB realisiert derweil, dass er den Frauenfußball nicht unterbinden kann. Da er erkennt, dass Manager eigene Verbände gründen, beschließt er, das Verbot am 31.10.1970 nach ach 15 Jahren aufzuheben. An die Relevanz des Frauenfußballs glaubt er dabei aber nicht: Obwohl es viele Spielerinnen gibt, wird er als reine Modeerscheinung abgetan und nicht gefördert. Zahlreiche Spielerinnen stellen sich derzeit den immer noch anhaltenden Klischees und sexistischen Bemerkungen entgegen.

Dass es immer noch Vorurteile den Frauen gegenüber gibt, zeigt sich unter anderem an den besonderen Auflagen, die für den Damenfußball gelten. So sollen Frauen sich wegen ihrer vermeintlich schwächeren Natur während einer halbjährigen Winterpause schonen. Außerdem dauern die Spiele nur 70 Minuten, Stollenschuhe sind verboten und die Bälle kleiner und leichter als bei den Männern.

1973 findet die erste inoffizielle Meisterschaft statt. Inoffiziell ist sie aus dem Grund, weil nicht jeder Landesverband einen Meister ermittelt hat. Im nächsten Jahr folgt die erste offizielle Meisterschaft im Frauenfußball in Mainz.

Bärbel Wohllebens Treffer zum 3:0 wird anschließend von den Zuschauern der ARD-Sportschau zum Tor des Monats gewählt. Es ist das erste Mal, dass das Tor des Monats von einer Frau geschossen wird. Die Meisterschaft markiert also direkt zwei Meilensteine für den deutschen Frauenfußball.

Zwischen 1970 und 1975 steigt die Zahl der weiblichen Fußballspieler im DFB rasant. Die SSG 09 Bergisch Gladbach erlebt von 1977 bis 1989 ihre große Ära und sichert sich zahlreiche Titel. Die Mannschaft wird unter anderem neunmal deutscher Meister der Frauen. Trotzdem kommt es unter anderem durch Moderatoren und Medien noch häufig zu einer Sexualisierung oder Diskriminierung der Spielerinnen.

1980er: bahnbrechende Meilensteine im Frauenfußball der BRD

Der Taiwanische Fußballverband lädt die besten Nationen zu einem Turnier ein, aber Deutschland besitzt zu diesem Zeitpunkt keine Frauen-Nationalelf. Im Vergleich dazu gibt es in der Schweiz schon seit rund zehn Jahren eine Nationalmannschaft. Deswegen soll die derzeit beste Mannschaft antreten, die SSG 09 Bergisch-Gladbach. Allerdings zahlt der DFB die Reise der Mannschaft nicht, weswegen lokale Sponsoren einspringen und die Spielerinnen den Rest selbst zahlen müssen.

Medial wird nicht über dieses Turnier berichtet, obwohl das deutsche Team das Finale gegen die Niederlande für sich entscheiden kann. Der Filmproduzent John David Seidler beleuchtet mit seiner Dokumentation namens “Das Wunder von Taipeh” die Pionierarbeit der Mannschaft und die zentrale Rolle, die das internationale Turnier in der Geschichte des deutschen Damenfußballs einnimmt:

Am 10. November 1982 findet in Koblenz das erste offizielle Länderspiel statt. Das deutsche Team gewinnt mit Trainer Gero Bisanz 5:1 gegen die Schweiz. Mitte der 1980er Jahren befinden sich auf Vereinsebene der KBC Duisburg, der FSV Frankfurt und die SSG 09 Bergisch-Gladbach an der Spitze. 1986 beschließt der DFB, eine Bundesliga einzuführen. Bevor dies Realität wird, vergehen allerdings noch ein paar Jahre.

1989 sichert sich die deutsche Nationalmannschaft in einem ausverkauften Stadion seinen ersten Europameistertitel. Das Spiel gegen Norwegen wird als erstes Frauenspiel live im deutschen Fernsehen übertragen. Dieser Sieg kann als Durchbruch des Frauenfußballs betrachtet werden. Dass er jedoch immer noch nicht dasselbe Ansehen genießt, wird auch an der Siegesprämie deutlich: Die Spielerinnen erhalten für ihren Erfolg ein Kaffeeservice als Belohnung.

Frauenfußball in der DDR

Im Gegensatz zur BRD war der Frauenfußball in der DDR nie verboten. Hier haben Frauen und Mädchen, deren Herz für das Fußballspiel schlägt, es deutlich leichter. Allerdings wird die Sportart kaum gefördert und es findet nur ein einziges Länderspiel der Frauen in der DDR statt.

1990er: Bundesliga, Europameisterschaft, Weltmeisterschaft und Olympia

1990 wird die deutsche Bundesliga für Frauen offiziell gegründet. 1996 wird der Frauenfußball zum ersten Mal olympische Sportart und Gero Bisanz übergibt sein Traineramt an seine Assistentin Tina Theune-Meyer. 1997 gewinnt die deutsche Frauen-Nationalelf bereits zum vierten Mal die Europameisterschaft. Einen Weltmeistertitel kann sie sich noch nicht sichern.

Ende der 1990er Jahre bleibt Frauenfußball weiterhin eine Randsportart. Allerdings haben die Erfolge dazu beigetragen, dass die Zuschauerzahlen, die Akzeptanz und die Medienpräsenz steigen. So wird beispielsweise das Finale des DFB-Pokals seit Mitte der 1990er vom ARD und vom ZDF live übertragen.

21. Jahrhundert: Deutschland gewinnt zahlreiche Meisterschaften

Was bereits in den 1990er Jahre anfängt, nimmt seit der Jahrtausendwende zu: Die Nationalmannschaft der Frauen sichert sich zahlreiche Titel. Sowohl bei Europa- und Weltmeisterschaften als auch bei den Olympischen Spielen beweist das Team, dass es ganz oben mitspielt und nicht unterschätzt werden sollte.

Den ersten WM-Titel erhält die Mannschaft 2003. Als erstes Frauenfußballteam überhaupt gelingt Deutschland die Titelverteidigung 2007. Im Jahr 2013 wird Deutschland bereits zum achten Mal Europameister im Frauenfußball. Dies ist der sechste EM-Sieg in Folge. 2016 gelingt dem Team sein erster Olympiasieg. Mit bis dato insgesamt acht EM- und zwei WM-Titeln sowie drei Bronze- und einer Goldmedaille zählt die deutsche Nationalmannschaft zu den besten Frauenfußballteams weltweit.

Sie erhält 2000 eine Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen. Die zweite folgt im Jahr 2004, die dritte in Folge 2008. Das Team sammelt hiermit die ersten olympischen Medaillen für den DFB seit 1988 – das einzige Jahr, in dem die Männermannschaft eine Medaille verdient. In der Bundesliga ist Turbine Potsdam zu dieser Zeit lange an der Spitze und sichert sich in den Jahren 2009-2012 viermal hintereinander den Meistertitel.

Auch immer mehr deutsche Bundesligavereine, die traditionell mit Herrenfußball assoziiert werden, haben eine Frauenmannschaft. Hierzu zählen beispielsweise der 1. FC Köln, der FC Bayern München und der VfL Wolfsburg. Die deutschen Teams zählen auf internationaler Ebene zu den besten: Unter den zehn erfolgreichsten Frauenfußballteams weltweit befinden sich fünf deutsche Mannschaften, darunter Turbine Potsdam, der VfL Wolfsburg und der MSV Duisburg.

Frauenfußball heute: trotz Entwicklung noch keine Gleichstellung

Im Vergleich zum Frauenfußball in anderen Ländern wie beispielsweise in England kann er in Deutschland als echter Spätzünder bezeichnet werden. Die Erfolge, die er später hervorbringt, sind jedoch umso größer. Über die Jahre ist er viel athletischer und dynamischer geworden. Auch die Gehälter und die Ablösesummen steigen. Die Bezahlung der Profispielerinnen ist jedoch nicht mit der ihrer männlichen Kollegen zu vergleichen.

Die Debatte um die Gehälter im Frauenfußball

Die deutschen Bundesligaspielerinnen verdienen in der Saison 2017/18 im internationalen Vergleich mit durchschnittlich 43.730 US-Dollar am zweitbesten (Stand: 2017/18). Die Spitzenreiter spielen laut Statista in Frankreich - genauer in der höchsten französischen Liga (D1) und verdienen 49.782 US-Dollar. Allerdings ist dieses positiv wirkende Bild verzerrt: Die Topverdienerinnen ziehen den Durschnitt hoch und die meisten Bundesligaspielerinnen verdienen nicht die genannte Durchschnittssumme.

Für viele reicht die Summe, die sie mit Fußball verdienen, nicht zum Leben bzw. nicht für eine finanzielle Absicherung für das Leben nach ihrer Fußballkarriere. Spielerinnen aus zahlreichen Mannschaften arbeiten und studieren aus diesem Grund nebenbei. Die Bundesligaspielerinnen können sich also nicht alle gleichermaßen auf das Training fokussieren. Die Konsequenz: In manchen Bundesligaspielen spielen Profi- gegen Amateurfußballerinnen.

Es besteht also immer noch eine Debatte um die Spielerinnengehälter im deutschen Fußball. Andere Länder könnten hier als Vorbild dienen: In Norwegen gibt es eine Gleichstellung der weiblichen und männlichen Nationalmannschaft, denn der Fußballverband hat beide Budgets angepasst. In Australien lässt sich Ähnliches beobachten. Hier verdienen die Profi-Fußballerinnen inzwischen das gleiche Grundgehalt wie die männlichen Profis. Allerdings ist auch dieses Gehalt sehr gering, da Fußball fort nur als Randsportart betrachtet wird.

Steigende Ablösesummen

Auch die Ablösesummen im deutschen und internationalen steigen. Pernille Harder, die auch in der dänischen Nationalmannschaft spielt, wechselte vom VfL Wolfsburg zum FC Chelsea. Die Ablösesumme beträgt angeblich 350.000 Euro. Die Dänin erzielte in 112 Spielen insgesamt 105 Tore und wurde in den vergangenen Jahren zweimal Torschützenkönigin der Bundesliga und zu Deutschlands Fußballerin des Jahres sowie zweimal zu Europas Fußballerin des Jahres gewählt. Mit ihrer Ablösesumme stellt sie einen neuen Weltrekord im Frauenfußball auf.

Frauenfußball in den Medien: ein Schattendasein

Die Berichterstattung über den Frauenfußball sowie seine Medienpräsenz durch Live-Übertragungen haben seit den ersten internationalen Erfolgen stark zugenommen. Dennoch bleiben manche durchaus nennenswerten Erfolge unerwähnt oder gehen in der Berichterstattung unter. Man erkennt, dass Frauen im Fußball immer noch weniger Beachtung geschenkt wird als den Männern.

Dies geschieht allerdings völlig zu Unrecht, denn die deutschen Frauenteams sammeln sogar mehr Titel als die Männer. Die Spielerinnen und ihre Erfolge werden durch mangelnde Berichterstattung unsichtbar gemacht und dieses Bild verankert sich auch in den Köpfen der Menschen: Bei der Erwähnung einer Europa- oder Weltmeisterschaft denken – ohne explizite Betonung, dass es sich dabei um eine Frauenmannschaft handelt – beispielsweise die Wenigsten an Frauenfußball. Bei der öffentlichen Wahrnehmung dieser Sportart dominieren als ganz eindeutig nach wie vor die Männer.

Sexistische Kommentare

Außerdem herrschen im Frauenfußball auch heute zum Teil immer noch Klischees und Vorurteile. Obwohl die offensichtlich diskriminierenden Kommentare des 1970er Jahre glücklicherweise der Vergangenheit angehören, klingt auch heute bei der Berichterstattung ein sexistischer Unterton durch. Die “Bild”-Zeitung berichtete beispielsweise 2019 davon, dass “ausgerechnet unsere Hübscheste […] für den Erfolg [sorgt]”. Solche Formulierungen sind leider auch heute keine Seltenheit.

Traineramt für Frauenteam als Strafe

Im Jahr 2021 wird Heiko Vogel, U23-Trainer bei Borussia Mönchengladbach, vorgeworfen, zwei Schiedsrichterinnen beleidigt zu haben. Als Strafe soll er anschließend auch einmal die Frauenmannschaft trainieren.

Die Aktion wird zum Sexismus-Skandal, denn sie reproduziert frauenfeindliche, diskriminierende Einstellungen, die ohnehin leider oft noch in den Köpfen der Menschen verankert sind. Die Frauen werden durch ihre Wahrnehmung als “Sanktionsmittel” als eine Art Bürde im Fußball dargestellt. Wenn Frauen als Bestrafung betrachtet werden, zeigt sich, dass eine Gleichstellung der Geschlechter im Fußball nicht gegeben ist.

Unterstützung für die Frauen im Fußball

Neben den teilweise immer noch sexistisch angehauchten Berichterstattungen gibt es natürlich auch Medien, die den Frauenfußball und die Spielerinnen pushen. Eine Würzburger Redaktion macht sich mit dem Magazin “ELFEN” zum Ziel, die Sportart nach vorne zu bringen und die Fußballerinnen ins Rampenlicht zu stellen. Das Magazin trägt somit dazu bei, die gesellschaftliche Wahrnehmung des Fußballs zu verbessern und die Stereotype aus dem Weg zu geräumt, damit der Frauenfußball endlich die Anerkennung bekommt, die er verdient.


In einem Podcast namens “KICK & BLUSH” setzt sich die LPSTCK CRW – bestehend aus sechs Frauen aus unterschiedlichen Spielklassen – dafür ein, dass der Damenfußball in Deutschland die Anerkennung bekommt, die ihm zusteht. Wir haben bereits in einem Beitrag über den Podcast berichtet.


Fußball, Politik, Frauenfußball

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