Equal Pay im Sport
Im Sport geht es um großartige Leistungen und Emotionen. Und beides ist in den letzten Jahren zu erfolgreichen Einnahmequellen für Sportler geworden. Aber wie sieht es eigentlich für Sportlerinnen aus? Wir schauen uns einmal an, ob Männer und Frauen im Sport gleich entlohnt werden oder nicht, und woran das liegt.
Welche Sportarten geben welche Prämien heraus?
Wenn die deutsche Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft gewinnt, dann kommt es beim Geld darauf an, ob es die Frauen oder die Männer waren. Denn die FIFA schüttet unterschiedliche Prämien an Frauen- und Männerteams aus. Für einen WM-Titel der Damen gibt es momentan pro Spielerin 252.000 Dollar, die Männer hätten 2022 hingegen pro Spieler 400.000 Dollar erhalten. Mit diesen großen Unterschieden ist die FIFA aber tatsächlich in der Minderheit.
Umfragen der BBC 2021 haben ergeben, dass in den 48 befragten Sportarten 37 gleiche Preisprämien ausschütten - unabhängig vom Geschlecht. Die FIFA plant für die Frauen WM 2027 genauso hohe Prämien an die Frauen zu zahlen, wie es an die Männer geben würde.
Eine der ersten Sportarten, bei der das gleiche Preisgeld für den Gewinner und die Gewinnerin ausgezahlt wurde, war in Teilen des Reitsportes. 1952 durften Frauen das erste Mal in der Disziplin Dressur teilnehmen. Prompt belegte Lis Hartel den zweiten Platz. Auch die Deutsche Ida von Nagel verhalf in der Mannschaftdisziplin ihrem Team zu Bronze. Die Gewinnprämien waren für Frauen und Männer die gleichen und blieben es auch seither. Das wurde wahrscheinlich auch dadurch beeinflusst, dass in dieser Disziplin Frauen und Männer alle gegeneinander antreten und nicht nach Geschlecht getrennt.
Auch im Tennis gab bei es bei den US Open ab 1973 die gleichen Prämien. Inzwischen werden die Preisgelder in allen Grand Slam Turnieren angeglichen. Besonders auf der Ebene der Weltmeisterschaften wurden in den letzten Jahrzehnten immer mehr Preisgelder angepasst. Eine hilfreiche Übersicht findest du auf der Seite der BBC.
“Jüngere” Sportarten, also solche, die sich erst in den letzten Jahren professionalisiert haben, bezahlen häufig von vornherein die gleichen Prämien für Männer und Frauen. So zahlt z. B. der internationale Dachverband im Triathlon bei seinen Wettkämpfen seit seiner Entstehung 1989 das gleiche Preisgeld. Angelblich protestierten männliche Athleten damals, als die Organisatoren bekanntgaben, unterschiedliche Prämien anzubieten. Das bedeutet aber nicht, dass bei jedem Triathlon von Anfang an das gleiche Geld winkte. Wenn du dich speziell für Gleichberechtigung im Triathlon interessierst können wir dir den Artikel von "Pushing Limits" sehr empfehlen.
Wie unterscheidet sich das Gehalt von Sportlern und Sportlerinnen?
Neben Prämien für Titel können Sportler:innen auch Geld durch feste Gehälter, Förderungen, Verträge und Sponsoring verdienen. Hier kommt es bei Lohnunterschieden auch auf den Vertragspartner an. Die deutsche Sporthilfe zum Beispiel zahlt ihren Athlet:innen die gleiche Förderung .
Am Beispiel Fußball zeigen sich aber auch die Unterschiede zwischen Gehältern von Frauen und Männern. Eine Umfrage der ARD-Sportschau unter den Clubs der ersten und zweiten Frauen-Bundesliga ergab, dass von den 122 befragten Spielerinnen nur 5 Prozent 3000 Euro oder mehr pro Monat verdienten. Die geringeren Gehälter führen dazu, dass nur wenige Spielerinnen hauptberuflich von ihrem Sport leben können, sondern oft einer ganz normalen Arbeit nachgehen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass weniger Zeit für Training übrig bleibt.
Die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenberg verdiente im Jahr 2021 laut Angaben der Bild-"Zeitung" 150.000 Euro im Jahr. Julian Nagelsmann wird hingegen als zukünftiger Trainer der Nationalmannschaft allein monatlich 400.000 Euro verdienen. Diese großen Gehaltsunterschiede werden vom DFB dadurch begründet, dass die Spiele von Frauenmannschaften deutlich weniger Einnahmen verzeichnen als bei ihren männlichen Kollegen. Es werden auch weniger Einnahmen durch Sponsoren und den Verkauf von Fanartikeln generiert. Momentan wird der Bereich auch durch die Gewinne finanziert, die ihre männlichen Kollegen erwirtschaften.
In Amerika klagte das Nationalteam der Frauen gegen ungleiche Prämien bei Spielen gegenüber der Männerteams und erzielte eine Einigung, sowie Nachzahlungen für die Spielerinnen. Anders läuft es in Norwegen. Dort werden seit 2018 die Männer und Frauenteams gleich bezahlt. Dies ist möglich, weil die Fußballspieler auf 550.000 Kronen ihres Gehaltes verzichten und diese an die Spielerinnen abtreten. Diese Summe speist sich aus Werbepartnerschaften, die die Spieler eingehen.
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Wieso erhalten Frauen weniger Geld aus Sponsoring?
Athletinnen und Sportlerinnen bekommen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen seltener einen Sponsorenvertrag mit Marken und Firmen. Und das auch in Sportarten, bei denen Zuschauermengen von Frauen und Männerturnieren sich weniger stark unterscheiden. Ein gutes Beispiel ist hier der Tennis-Sport. Wie bereits oben erwähnt, werden die Prämien in den großen Turnieren inzwischen aneinander angepasst. Was nicht bedeutet, dass Frauen und Männer insgesamt im Tennis gleich viel verdienen.
Um es an einem Beispiel zu erklären: 2022 verkündeten zwei große Persönlichkeiten im Tennis das Ende ihre aktiven Spieler-Karriere: Serena Williams und Roger Federer. 2023 stehen beide immer noch auf der Forbes Liste der 50. bestbezahlten Athleten. Federer auf Platz 9, Williams auf Platz 49. Obwohl Williams bei den sogenannten “On the field earnings” (dt. “Einnahmen auf dem Feld”) 200.000 Dollar mehr verdiente als Federer, schlägt er sie durch hoch dotierte Sponsoren um ein Vielfaches bei den Nebeneinkünften.
Marken bevorzugen momentan eher männliche Sportler. 2019 wurden 30 Milliarden Dollar in Sportsponsoring weltweit investiert. Davon entfielen 7 Prozent auf den Frauensport Gründe hierfür können unterschiedlich sein. Neben dem rein ökonomischen Faktor, dass in traditionell männerdominierten Sportarten die Zuschauerzahlen bei Männermannschaften größer ausfallen als bei Frauenmannschaften, fehlt es dem Frauensport auch an medialer Aufmerksamkeit. Das reicht von weniger Kameras bei Wettkämpfen bis hin zu fehlendem Interesse an Lizenzrechten für Liveübertragungen. Dadurch sind viele Sportlerinnen deutlich weniger bekannt als ihre männlichen Kollegen, haben im Umkehrschluss also auch weniger Chancen auf gute Sponsorenverträge.
Wie entwickelt sich der Frauensport zukünftig?
Frauen im Sport mussten sich von Anfang an ihren Platz erkämpfen. Tatsächlich sind erst seit 2012 Frauen bei der Olympischen Sommerspielen in allen Disziplinen zugelassen, mit Boxen als Nachzügler. Bei den Winterspielen wurde Skispringen 2014 für Frauen geöffnet, in der nordischen Kombination dürfen momentan nur Männer starten. Deshalb muss der Frauensport sich auch noch etablieren und professionalisieren. Damit Athletinnen sich voll und ganz auf ihren Sport konzentrieren können, brauchen sie aber gleichzeitig genug Geld, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. In den letzten Jahren erfreut sich Frauensport auch immer mehr Beliebtheit, zuletzt mit der WM in Australien mit ausverkauften Stadien. Aber auch in anderen Sportarten legen Frauen ziemlich zu. Hinzu kommt der Trend, bei dem Sportlerinnen sich gegenseitig fördern. Außerdem gibt es z.B. die Firma equalchamps, ein Plattform die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Sponsoren mit Spielerinnen aller Sportarten bekannt zu machen.
Für Sponsoren entwickelt sich Frauensport somit zu einer immer attraktiveren Werbeplattform. Obwohl noch weit nicht an vergleichbare Summen wie beim Männerfußball, wird Geld in die Hand genommen und an die Frau gebracht. Ein Trend, der sich in den kommenden Jahren fortsetzen wird und dabei helfen kann, die Lücke zwischen Frauen und Männer zu schließen.