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Alles, was du über Elfmeterschießen wissen musst
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  • Finja Wendland
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Alles, was du über Elfmeterschießen wissen musst

120 Minuten sind gespielt, es steht unentschieden, das Spiel braucht aber einen Sieger. Es kommt zum Elfmeterschießen, einer 1:1-Situation voller Spannung, Bangen, Druck und Ekstase. Nicht zuletzt wurde die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Katar durch ein Elfmeterschießen entschieden. Argentinien gewann schlussendlich gegen die französische Mannschaft.

Aber auch bei Vereinsticket ist das Thema Elfmeterschießen aus weiteren Gründen hochaktuell: Denn jeden Dezember richten wir das Vereinsfestival Trier aus, bei dem unter dem Motto “Elfmeter bis zur dritten Halbzeit” zwei Tage in Folge in der Messeparkhalle in Trier fleißig Elfmeter geschossen werden.

Übrigens:

Wenn du bei dich für dieses Event interessiert, findest du auf unserer Website nicht nur Bilder und Videos von den letzten Ausgaben des Vereinsfestivals, sondern auch alle Neuigkeiten rund um zukünftige Events.

Alle Informationen zum Vereinsfestival!

In Pokalwettbewerben oder bei großen Fußballturnieren ist das Elfmeterschießen ein Highlight. Für die jeweiligen Fans vor Spannung kaum auszuhalten, für neutral Beobachtende pure Unterhaltung. Tore sind fast garantiert, circa 75-80% aller geschossenen Elfmeter landen im Tor. Aber nicht alle Spiele enden in einem Elfmeterschießen, wenn es nach Ablauf der Spielzeit unentschieden steht. Diese Weise, ein Siegerteam zu ermitteln, findet man bei K.O.-, Final- oder Relegationsspielen.

Der Strafstoß als Standardsituation

Ein Strafstoß wird von einem Punkt, der elf Meter vor dem gegnerischen Tor markiert ist, geschossen. In Regelwerken wird übrigens offiziell von einem Strafstoß gesprochen, im Englischen heißt es Penalty. Laut englischer Norm sind es allerdings nicht 11, sondern 10,9728 Meter – die krumme Zahl kommt daher, dass der Penalty aus einer Entfernung von 12 Yards geschossen wird, und dies umgerechnet ergibt die Kommazahl.

Die Situation Schütz:in gegen Torhüter:in gibt es schon seit 1891. Erfunden wurde sie damals angeblich im irischen Ort Milford. Dort störte sich der irische Geschäftsmann und Torhüter des Milford FC daran, dass zur damaligen Zeit immer wieder Spieler bewusst vor dem Tor gefoult wurden, um sie am Torerfolg zu hindern.

Da er nicht nur Torhüter, sondern zugleich Mitglied des – damals noch sehr kleinen – irischen Fußballverbandes war, schlug er daraufhin die Einführung von Strafstößen vor, um so Fouls in Tornähe stärker zu sanktionieren.

Im Jahr 1890 wurde sein Vorschlag dem International Football Association Board (IFAB) vorgelegt. Knapp ein Jahr später, im Juni 1891, wurde die Regel offiziell angenommen. In Deutschland wurde der Elfmeter 1893 etabliert, noch unter etwas anderen Regeln.

Beispielsweise wurde zu Beginn nicht vom Punkt, sondern von einer Linie geschossen, die knapp 11 Meter vom Tor entfernt war und über die gesamte Breite des Spielfelds ging. Auf dieser Linie konnte sich der Schütze selbst aussuchen, von welcher Stelle er schießen wollte. Diese Linie wurde auch “Sühnelinie” genannt. Außerdem durfte sich der Torwart beim Strafstoß damals bis zu fünfeinhalb Meter von der Torlinie entfernen.

Im Spiel wird ein Elfmeter gepfiffen, wenn ein:e Spieler:in innerhalb des eigenen Strafraums einen Regelverstoß begeht, der normalerweise mit einem direkten Freistoß bestraft werden würde. Hierzu zählen etwa ein Foul, Handspiel oder eine Tätlichkeit (Spucken).

Wird der Ball gehalten, oder geht gegen den Pfosten, geht die Spielsituation weiter, es darf also nachgeschossen werden. Allerdings darf die Person, die den Elfmeter ursprünglich geschossen hat, den Ball erst wieder berühren, wenn ein:e andere:r Spieler:in den Ball berührt hat (egal ob aus dem eigenen oder gegnerischen Team).

Ansonsten gibt es einen indirekten Freistoß für die andere Mannschaft. Einen Nachschuss dürfen aber auch andere Spieler:innen probieren. Allerdings dürfen diese den Strafraum erst betreten, sobald der Ball von der schießenden Person nach vorne gespielt wurde (der Ball darf nicht nach hinten gepasst werden). Und noch was: Mindestens ein Fuß des Torhüters beziehungsweise der Torhüterin muss auf oder hinter der Torlinie sein.

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Regeln eines Elfmeterschießens

Steht es nach der regulären Spielzeit eines Fußballspiels (90 Minuten + Nachspielzeit) unentschieden, kommt es zunächst zu einer 2 x 15 Minuten langen Verlängerung. Steht es nach dieser weiterhin unentschieden, wird der Sieger im Elfmeterschießen ermittelt. In vereinzelten Wettbewerben (beispielsweise im englischen Ligapokal oder bei der U17-WM) kommt es auch bereits direkt nach Abpfiff der regulären Spielzeit zum Elfmeterschießen.

Übrigens:

Verlängerung und Elfmeterschießen gibt es natürlich nur bei sogenannten K.O.-Spielen, also Spielen, in denen zwingend ein Sieger ermittelt werden muss. Bei normalen Liga- oder Gruppenspielen endet die Partie auch im Falle eines Unentschiedens nach Ablauf der regulären Spielzeit. Auch wenn es bereits vereinzelte Ideen gab, auch solche Partien per Elfmeterschießen zu entscheiden.

Jede Mannschaft wählt fünf Spieler:innen aus, die antreten. Diese schießen abwechselnd auf ein vorher ausgelostes oder durch die Schiedsrichter:in bestimmtes Tor, wer anfängt wird auch ausgelost.

Es müssen aber nicht alle fünf beziehungsweise zehn antreten. Führt eine Mannschaft so hoch, dass sie rechnerisch nicht mehr eingeholt werden kann, wird das Elfmeterschießen vorzeitig beendet.

Steht es allerdings nach je fünf geschossenen Elfmetern weiterhin unentschieden – weil alle getroffen oder die gleiche Anzahl verschossen haben – kommt es zu einem eins gegen eins, also immer je ein:e Schütz:in von Mannschaft A, dann eine:r von Mannschaft B, und nur wenn es danach weiter unentschieden steht, kommen die nächsten beiden dran. Es wird so lange gespielt, bis eine Mannschaft führt, aber es müssen erst alle elf Spieler:innen beider Mannschaften geschossen haben, bis zum zweiten Mal angetreten werden darf.

Es dürfen nur Spieler:innen schießen, die beim Abpfiff der Verlängerung aktiv auf dem Platz standen, es darf während des Elfmeterschießens auch nicht mehr gewechselt werden. Einzige Ausnahme: Verletzt sich während des Elfmeterschießens der/die Torhüter:in, darf diese:r ersetzt werden. Alle Spieler:innen außer Schütz:in und Torhüter:in müssen sich im Mittelkreis aufhalten. Im Gegensatz zu einem Strafstoß während der regulären Spielzeit darf nicht nachgeschossen werden.

Übrigens: Wenn eine Mannschaft nach dem Abpfiff der Verlängerung weniger als elf Spieler:innen zur Verfügung hat (aufgrund roter Karte(n) oder Verletzungen), muss die andere Mannschaft ihr Team auf die gleiche Anzahl verringern, um eine faire Chancengleichheit zu Gewährleisten.

Die Geschichte des Elfmeterschießens

Schon in den 1950ern und 60ern wurde das Elfmeterschießen zur Ermittlung der Siegermannschaft punktuell angewandt, allerdings teilweise unter anderen Regeln und mit anderen Varianten, als wir es heute kennen. Im Gebiet des DFBs kam es 1967 zum ersten Elfmeterschießen, im Rahmen des WFV-Pokals (Verbandspokal des württembergischen Fußballverbands). Sich gegenüber standen die SpVgg 07 Ludwigsburg und der 1. FC Normannia Gmünd.

Ab 1970 fand das Elfmeterschießen offiziell seinen Platz im Regelwerk des DFB, initiiert durch den deutschen Schiedsrichter Karl Wald. Im Dezember des gleichen Jahres kam es auch im DFB-Pokal zum ersten Elfmeterschießen, in der 1. Pokalrunde im Spiel Schalke 04 gegen den VfL Wolfsburg. Sechs Jahre später wurde die deutsche Erfindung weltweit angewandt.

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International kam es zur Premiere beim Pokal der Landesmeister 1970/71 in der Achtelfinalbegegnung FC Everton gegen Borussia Mönchengladbach. Everton traf viermal, die Borussia nur dreimal und schied somit aus. Das erste Elfmeterschießen bei einer WM fand 1982 bei dem Turnier der Männer in Spanien statt, wobei es schon vier Jahre vorher im Regelwerk verankert war. Das Spiel war das Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich, Deutschland gewann mit 5:4, musste sich im Finale aber den Italienern geschlagen geben.

Die Sportschau-Dokumentation “50 Jahre Elfmeterschießen - ein deutsches Drama” behandelt die Erfindung des Elfmeterschießens durch den deutschen Schiedsrichter Karl Wald. Reinschauen lohnt sich!

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Losglück statt Können: Alternativen zum Elfmeterschießen

Auch wenn Elfmeterschießen seit mittlerweile knapp 50 Jahren flächendeckend durchgeführt werden, gab es auch immer wieder Alternativen, die entweder in Teilen der Welt umgesetzt oder zumindest diskutiert wurden. Hier stellen wir dir einige dieser Alternativen vor:

Losentscheid/Münzwurf: Auch wenn das Elfmeterschießen oft den Ruf hat, dass dabei eher das “glücklichere” und nicht das bessere Team gewinnt, ist der Modus bereits ein großer Fortschritt zu der Art und Weise, in der zuvor teils große Spiele bei Gleichstand entschieden wurden.

Denn noch bis zur EM 1968 wurden bei Großereignissen immer wieder Spiele, die nach Ende der Verlängerung Unentschieden standen per Münzwurf entschieden. Damals profitierte der spätere Europameister Italien davon, dass in ihrem Halbfinale gegen die Sowjetunion der Münzwurf zu ihren Gunsten ausfiel.

Der Grund für die Entscheidung per Münzwurf lag darin, dass die Wiederholungsspiele – die eigentlich bei Gleichstand immer ausgetragen wurden – im engen Terminkalender der Großereignisse nicht durchgeführt werden konnten. Es brauchte also eine Alternative, mit der auch ohne Wiederholungsspiel ein Sieger ermittelt werden könnte. Mangels besserer Alternativen fiel dabei die Wahl auf die Entscheidung per Münzwurf oder Los.

Wiederholungsspiel: Bevor sich das Elfmeterschießen etablierte, kam es bei einem Gleichstand nach Verlängerung üblicherweise zu einem Wiederholungsspiel. In extremen Fällen - sprich: wenn auch das Wiederholungsspiel wiederum Unentschieden endete – mussten diese teils mehrfach wiederholt oder doch per Münzwurf entschieden werden.

Während Wiederholungsspiele deutlich weniger von Glück abhängig waren als eine Entscheidung per Elfmeterschießen, wie sie heute üblich ist, stellten die Wiederholungsspiele alle Beteiligten immer wieder vor organisatorische Herausforderungen. Die zusätzlichen Spiele, die somit absolviert werden mussten, warfen nicht nur bei Turnieren oftmals den Zeitplan durcheinander, sondern erhöhten zugleich auch die Belastung für die Spieler.

Auch wenn Wiederholungsspiele mit der Einführung des Elfmeterschießens fast komplett verdrängt wurden, gibt es auch heute noch Wettbewerbe, in denen bei Gleichstand ein Wiederholungsspiel angesetzt wird. Bis zu dieser Saison wurden beispielsweise im FA Cup die Spiele bis zum Achtelfinale im Falle eines Remis nochmal wiederholt. Das wurde vor der Saison 2024/25 nun auf Wunsch der Premier League abgeschafft. Grund hierfür ist laut FA der größere Wettbewerbskalender des europäischen Fußballverbands UEFA.

Golden Goal / Silver Goal: Auch wenn das Golden Goal nicht direkt eine Alternative zum Elfmeterschießen darstellte, wurde es mit dem Ziel eingeführt, Elfmeterschießen möglichst zu vermeiden. Mit der Einführung der Golden Goal-Regel wurde das Spiel in der Verlängerung sofort beendet, sobald das erste Tor erzielt wurde.

Das erste und aus deutscher Sicht wohl auch bedeutsamste Golden Goal gelang Olivier Bierhoff beim EM-Finale 1996 gegen Tschechien. Schnell regte sich jedoch auch viel Kritik an der neuen Regel, da sie dafür sorgte, dass die Teams in der Verlängerung besonders defensiv spielten, was die Spiele deutlich uninteressanter machte.

Aus diesem Grund wurde 2002 das sogenannte “Silver Goal” eingeführt, was quasi eine Entschärfung des Golden Goals war. Die Regel, dass das Spiel in der Verlängerung mit dem ersten Torerfolg endete, fiel dabei weg. Dafür konnte die Verlängerung vorzeitig enden, falls zur Halbzeit der Verlängerung eines der beiden Teams in Führung lag. Auch diese Regeländerung stieß nur auf wenig Gegenliebe, sodass nach der Europameisterschaft 2004 wieder auf den ursprünglichen Modus mit “normaler” Verlängerung und Elfmeterschießen gewechselt wurde.

Der letzte deutsche EM-Titel wurde per Golden Goal entschieden. Hier kannst du dir den entscheidenden Treffer von Oliver Bierhoff gegen Tschechien aus dem EM-Finale 1996 noch einmal anschauen:

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Penaltyschießen / Shootout: Inspiriert durch klassische US-Sportarten wie Eishockey probierte man in der Nordamerikanischen Major League Soccer (MLS) statt des Elfmeterschießens ein Penaltyschießen aus. Aus einer Entfernung von 35 Yards (rund 32 Meter) liefen die Spieler dabei auf den Torwart zu und hatten fünf Sekunden Zeit, um zum Abschluss zu kommen.

Das System sollte publikumswirksamer als das normale Elfmeterschießen sein, der Erfolg bei den Fans war in den USA jedoch überschaubar, sodass das Penaltyschießen im Jahr 1999 nach drei Jahren wieder eingestampft wurde. Dennoch wird bis heute immer wieder vereinzelt eine Abkehr vom Elfmeterschießen und hin zum Penaltyschießen gefordert, da es für viele deutlich weniger von Glück abhängig ist als das Elfmeterschießen.

Ein kleines Comeback feiert das Penaltyschießen im Übrigen aktuell in einigen Kleinfeldligen wie der Kings League in Spanien oder der Baller League in Deutschland.

Elfmeterschießen im Wechsel: Eine Variante des Elfmeterschießens, die bei der U17-EM 2017 testweise zum Einsatz kam, war das Schießen nach der ABBA-Regelung. Das hat nichts mit der schwedischen Pop-Band zu tun, sondern bezieht sich auf die Reihenfolge, in der dabei geschossen wird. Denn während bei der üblichen Elfmeter-Variante immer abwechselnd, also im Schema ABABAB geschossen wird, wechselt bei dieser Variante bei jedem Durchgang das Team, welches Vorlegen muss. Entsprechend lautet die Reihenfolge Hier ABBAABBA.

Hintergrund dieses Ansatzes ist die Tatsache, dass beim normalen Elfmeterschießen die Mannschaft, die vorlegt, einen klaren Startvorteil hat, da sie weniger unter Druck steht, als das Team, das nachlegen muss. Dieser Vorteil lässt sich auch statistisch belegen: Laut dem Spiegel hat die Mannschaft, die im Elfmeterschießen beginnt eine Siegchance von 58%, während die Siegchance der Mannschaft, die nachlegen muss nur bei 42% liegt. Auch wenn die ABBA-Variante - wie eingangs erwähnt - bereits 2017 testweise eingesetzt wurde, hat sie bis heute noch nicht ihren Weg auf die große Fußballbühne gefunden.

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Die berühmtesten und spektakulärsten Elfmeterschießen

Elfmeterschießen ist Anspannung pur, vor allem für die Schießenden. Den Spielern der englischen Zehntligisten Washington FC und Bedlington Terriers lagen nach ihrem Pokalspiel am 09. März 2022 vermutlich die Nerven blank. 54 Elfmeter brauchte es, bis am Ende Washington als Sieger feststand. 49 Schüsse landeten im Tor, es fielen sogar mehr Treffer als Zuschauende vor Ort waren, nur 40 Menschen waren live dabei. Hätte man vorher gewusst, dass dieses Spiel im Guinnes Buch der Rekorde landen würde, wären bestimmt mehr gekommen!

Der Panenka-Heber

Antonín Panenka war früher ein tschechoslowakischer Nationalspieler und ist bis heute berühmt. Das liegt an seinem Elfmeter im EM-Finale 1976 gegen die Mannschaft der BRD. Im Elfmeterschießen verschoss Uli Hoeneß, und Panenka verwandelte auf ungewöhnliche Art und Weise. Er lupfte den Ball halbhoch in die Mitte des Tores. Bis heute werden so “geschossene” Elfmeter nach ihm benannt.

DFB-Pokalfinale 1984: FC Bayern München - Borussia Mönchengladbach

Eigentlich ein Pokalfinale mit Elfmeterschießen wie viele andere, eine Besonderheit gab es aber, wenn man sich einen Schützen genauer anschaut: Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, welcher zu dem Zeitpunkt einer der wichtigsten Spieler der Fohlen war, wechselte nach dem Spiel zum Gegner des Tages, dem FC Bayern. So spielte er für seinen Arbeitgeber gegen seinen neuen Arbeitgeber. Da es nach der Verlängerung 1:1 stand, ging es ins Elfmeterschießen, und auch Matthäus war unter den Spielern, die vom Punkt antraten. Er schoss über das Tor, und musste sich nach dem anschließenden Sieg der Bayern von vielen Seiten anhören, er hätte absichtlich verschossen.

WM-Finale 1994: Italien – Brasilien

In diesem Finale stand es nach 120 Minuten 0:0, also fiel auch hier die Entscheidung vom Punkt. Nachdem beide Teams ihren ersten Versuch verschossen, gingen jeweils der zweite und dritte ins Tor. Im Anschluss hielt der brasilianische Keeper einen Elfmeter, Brasilien verwandelte den eigenen und einer der Stars der italienischen Mannschaft, Roberto Baggio, schoss über das Tor. Das Spiel war aus, und Brasilien Weltmeister.

WM-Achtelfinale 2006: Deutschland – Argentinien

Bei der Heim-WM konnten die Deutschen die Argentinier im Elfmeterschießen besiegen. Am Ende stand es 4:2, Deutschland traf alle Elfmeter, Argentinien scheiterte zweimal an Torwart Jens Lehmann. Das Besondere: Lehmann bekam vorher von Torwarttrainer Andreas Köpke einen Zettel mit Informationen zu den argentinischen Schützen. Immer wieder schaute Lehmann während des Elfmeterschießens auf diesen Zettel, und steckte ihn zwischendurch in seine Stutzen. Ob er wirklich geholfen hat, ist schwer zu sagen, zumindest als psychologische Waffe scheint er aber gewirkt zu haben. Heute kannst du dir den Zettel im Haus der Geschichte anschauen.

“Finale Dahoam”, Champions League Finale 2012: FC Bayern - FC Chelsea

Im sogenannten Finale Dahoam (der FC Bayern spielte das Champions League Finale im eigenen Münchner Stadion) wurde Bastian Schweinsteiger zur tragischen Figur. Nachdem er im Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid den entscheidenden Elfmeter verwandelte, scheiterte er im Finale an Chelsea-Keeper Petr Cech, weshalb die Bayern verloren und sich den Traum vom Titel im eigenen Stadion nicht erfüllen konnten.

Europa League Finale 2021: Villareal CF – Manchester United

Auch hier ging es nach einem 1:1 nach 120 gespielten Minuten ins Duell vom Punkt. Drücken konnte sich aber keiner der Spieler, die noch auf dem Platz standen; alle elf Spieler beider Mannschaften mussten vom Punkt antreten, da alle trafen - außer United Torwart David de Gea. Villareal gewann somit die Europa League.

WM-Finale 2022: Argentinien – Frankreich

Diesem Elfmeterschießen ging ein dramatisches und hochspannendes Spiel voraus: Nach einer 2:0 Halbzeitführung glichen die Franzosen innerhalb von zwei Minuten in Person von Kylian Mbappé aus, es ging in die Verlängerung. Weltstar Messi schoss das 3:2, aber wieder war es Mbappé, der die Argentinier nicht so einfach gewinnen lassen wollte. In der 118. Minute schoss er (per Elfmeter!) das 3:3 = Elfmeterschießen. Während bei Argentinien alle vier Spieler verwandelten, scheiterten Coman und Tchouameni als zweite und dritte Schützen, Argentinien wurde Weltmeister und Lionel Messi krönte seine bis dahin schon einzigartige Karriere.

U17 WM 2023: Konstantin Heide macht Deutschland zum U17-Weltmeister

Das jüngste Beispiel dafür, wie ein Elfmeterschießen Legenden hervorbringen kann, ist die U17-Weltmeisterschaft in Indonesien. Dort stand im Halbfinale und Finale der noch recht unerfahrene Konstantin Heide zwischen den Pfosten und anvancierte in beiden Spielen im Elfmeterschießen zum großen Helden des Spiels.

Im Halbfinale gegen Argentinien hielt er gleich die ersten beiden Elfmeter der Argentinier und legte damit den Grundstein für den Finaleinzug der deutschen Auswahl. Auch dort musste das deutsche Team nach einem 2:2 in der regulären Spielzeit ins Elfmeterschießen. Und wieder einmal parierte Heide im Elfmeterschießen gleich zwei Schüsse der Gegner und sorgte damit dafür, dass das deutsche Team das Elfmeterschießen für sich entscheiden und sich zum U17-Weltmeister krönen konnte.

Ganz allein – die Drucksituation Elfmeterschießen

Bei Zuschauenden, vor allem bei Fans, ist ein Elfmeterschießen schnell der Grund für einen hohen bis sehr hohen Puls. Aber vor allem für die involvierten Spieler:innen ist diese Situation psychologisch eine große Herausforderung. Nervenstärke ist fast wichtiger als fußballerisches Können. Der Druck ist vor allem für die Person, die am Punkt steht, hoch; Circa 75-80% aller Elfmeter landen im Tor, also hat man mehr zu verlieren als zu gewinnen. Da die Torhüter:innen dementsprechend eh eine geringe Chance haben, den Ball zu halten, ist der Druck etwas niedriger, sie können eigentlich nur gewinnen.

Schwer ist auch die Entscheidung, wer in welcher Reihenfolge antritt. Einerseits ist der Druck höher, je länger das Elfmeterschießen dauert, andererseits findet der fünfte Elfmeter manchmal auch gar nicht erst statt. Laut der Sportschau ist die Chance zu treffen niedriger, je später man dran ist. Der erste Elfmeter ist in 75% der Fälle im Tor, der fünfte nur noch zu 65% ein Treffer. Dazu kommt, dass die als zweites schießende Mannschaft immer im Zugzwang ist. Der Druck zu treffen ist noch einmal höher, vor allem wenn es nach den ersten fünf Elfmetern ins 1 gegen 1 geht.

Immer wieder taucht die Frage auf, ob es überhaupt hilft, Elfmeter zu trainieren. Vor allem für Profispieler:innen sollte es doch ein Leichtes sein, aus so kurzer Distanz das Tor zu treffen. Aber wie gelesen, die Trefferquote ist zwar hoch, aber bei weitem nicht bei 100%. Den Kopf zu trainieren ist nun mal deutlich schwieriger als die Schusstechnik, und die Situation, alleine von der Mittellinie auf ein Tor zu laufen, der Person gegenüber in die Augen zu sehen und treffen zu müssen (womöglich vor tausenden von Zuschauenden), lässt sich nicht simulieren.

Wer die Spannung und den Druck eines Elfmeterschießens besser verstehen möchte, findet in dem Buch Unter Druck: Was wir aus der Psychologie des Elfmeterschießens fürs Leben lernen können oder in dem Taschenbuch Elfmeter: Die Psychologie des Strafstoßes spannende Einblicke in die mentale Stärke, die über Sieg oder Niederlage entscheidet.

England kann keine Elfmeterschießen - oder?

Mittlerweile ist diese These in der Fußballwelt weit verbreitet, eine Art Mythos geworden. Der Grund? Zwischen 1990 und 2021 hat die englische Männernationalmannschaft sieben von neun Elfmeterschießen bei Europa- und Weltmeisterschaften verloren. Die einzig beiden gewonnenen waren 1996 bei der EM gegen Spanien und bei der WM 2018 gegen Kolumbien. Es kam zu einer Art Abwärtsspirale: Je häufiger sie verloren haben, desto größer wurde das negative Medienecho, was an Spielern nicht spurlos vorbeigeht. Wenn alle Zeitungen schreiben, du könntest kein Elfmeterschießen gewinnen, glaubst du dann immer noch, dass du es trotzdem kannst? Trotz all den negativen Auswirkungen nahmen es die Spieler teils mit Selbstironie, und drehten sogar Werbespots, in denen sie sich über sich selbst lustig machten.

Doch so witzig war es nicht immer: Nachdem das EM-Finale 2021 im Elfmeterschießen gegen Frankreich verloren ging, begann vor allem in den sozialen Medien eine Welle an rassistischen Beleidigungen der Mannschaft. Die verschossenen Elfmeter waren von dunkelhäutigen Spielern geschossen worden. Dies nahmen einige Menschen zum Anlass, diesen Personen und vor allem ihrer Hautfarbe die Schuld an der Niederlage der Briten zu geben.

Auch bei der WM 2022 war übrigens ein verschossener Elfmeter gegen Frankreich ein Teil des Grundes des Ausscheidens. Nur mal zum Vergleich: Bei großen Turnieren hat Deutschland 6 von 7 Elfmeterschießen gewonnen. Aber ob das beweist, dass England wirklich kein Elfmeterschießen kann...?

Pendant in anderen Sportarten

Eine 1 gegen 1 Situation, wo ein:e Spieler:in von einem bestimmten Punkt des Spielfelds schießt, gibt es in vielen Ballsportarten. Zudem gibt es Shootouts, bei denen ein:e Spieler:in von einem gewissen Punkt des Spielfelds auf das Tor zuläuft. Diese Idee gab es auch schon mehrfach für den Fußball, sie wurde dort aber noch nicht angewandt.

Dafür aber im Eishockey oder im Hockey, dort gehört das Shootout fest zum Regelwerk. Im Handball gibt es das Siebenmeterwerfen, im Basketball Freiwürfe und im Feldhandball das Vierzehnmeterwerfen, nur um ein paar Beispiele zu nennen. Fußballer:innen sind also nicht die einzigen Athlet:innen, die eine solche Situation kennen.

Vereinsfestival Trier

Wir von Vereinsticket lieben Elfmeterschießen, das Nervenkitzeln, die Spannung, die Tore. Also – warum nicht ein Festival daraus machen. Genau das haben wir in den vergangenen beiden Jahren in der Messeparkhalle in Trier gemacht. Beim Vereinsfestival Trier gab es im Dezember 2023 kurz vor Weihnachten neben zwei großen Elfmeter-Turnieren mit insgesamt 86 Teams ein vielseitiges Rahmenprogramm mit Challenges, attraktiven Gewinnen und einer spektakulären dritten Halbzeit mit Franco Piccolini und Luigi Ferrari.

An den beiden Veranstaltungstagen des letztjährigen Vereinsfestivals am 15. und 16. Dezember 2023 wurden 2.411 Elfmeter geschossen, davon gingen 1654 ins Netz, was einer Quote von rund 68% entspricht. Somit war es vor allem für die Charities nestwärme und das Team Bananenflanke Trier ein voller Erfolg, denn es konnten Spenden in Höhe von knapp 9.500€ gesammelt werden. 2.000€ gingen an die sechs besten Teams, sodass insgesamt rund 11.500€ für gute Zwecke zusammenkamen. Hier erfährst du in aller Ausführlichkeit mehr über das Vereinsfestival Trier.

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Vereinsfestival Trier 2023, Sport-Wissen

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