American Football und seine Relevanz in Deutschland
Football ist schon lange, auch außerhalb Amerikas, sehr beliebt. Der Hype ist längst in Deutschland angekommen: Bald steigt eine WM hierzulande. Zudem konkurrieren zwei Ligen um die Gunst der Zuschauer, wie unser Beitrag verrät.
Was ist American Football?
Football ist eine Mischung aus Rugby und Fußball. In Europa wird auf einem 100 Yards (91,5 Meter) langen und 50 Yards (48,8 Meter) breiten Feld gespielt. Es treten zwei Mannschaften gegeneinander an und es stehen, wie beim Fußball, 11 Spieler pro Team auf dem Platz. Jede Mannschaft besteht insgesamt aus 53 Spielern, die sich in Offense, Defense und Special Teams gliedern. Gespielt wird immer Offense gegen Defense oder Special Team gegen Special Team, die meiste Zeit ist es aber Offense gegen Defense. Die Spielzeit unterteilt sich in vier Viertel, die jeweils 15 Minuten dauern.
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Ziel des Spiels ist es, wie in den meisten Sportarten, mehr Punkte als der Gegner zu erzielen. Dafür muss der Ball über das Feld bewegt werden, was die Aufgabe der Offense ist. Die gegnerische Defense muss das verhindern. Um den Ball zu bewegen, gibt es zwei Möglichkeiten: den Ball zu passen oder ihn zu laufen. Mit diesen beiden Möglichkeiten hat die Offense vier Versuche, 10 Yards Raumgewinn zu erzielen. Nach einem Spielzug stellen sich beide Teams neu auf und es wird der nächste Versuch gespielt. Das geht so lange, bis die Offense das ganze Feld überquert hat und in die Endzone des Gegners eindringt und so einen Touchdown erzielt. Oder bis die Defense vorher einen Stopp erzwingt und dann die eigene Offense auf den Platz darf.
Es kann außerdem ein Field Goal geschossen werden. Das passiert, wenn die Offense schon einen Teil des Feldes überbrückt hat, dann aber doch gestoppt wird. Nun kann der Kicker versuchen, den Football durch zwei Metallpfosten zu schießen. Gelingt ihm das, bringt das seinem Team drei Punkte. Der erwähnte Touchdown bringt sechs Punkte und einen Point-After-Touchdown (PAT) Versuch. Das ist nichts anderes als ein Field Goal aus einer kurzen Distanz, was einen weiteren Punkt bringt. Insgesamt bringt ein Touchdown mit einem verwandelten PAT sieben Punkte.
Wer schon mal Football gesehen hat, weiß: es kann sehr hart zu gehen. Denn wie schon erwähnt ist es die Aufgabe der Defense, die Offense zu stoppen. Das tut sie, indem sie den ballführenden Spieler zu Boden bringt. Wenn dann ein 100 Kilogramm schwerer Mann auf einen anderen Spieler zurennt und sich auf ihn schmeißt, kann das schon wehtun. So entsteht schnell der Eindruck, dass Football sehr brutal ist. Dem ist auch nicht zu widersprechen. Was viele Laien aber nicht bemerken: Football ist unfassbar taktisch. Patrick Esume hat es mal sehr schön gesagt: “Football ist wie Schach mit Kühlschränken”. Wer Esume ist, erfährst du später.
NFL ist und bleibt das Maß aller Dinge
Heute ist die NFL, gemessen am Jahresumsatz und den Einschaltquoten, die größte Sportliga der Welt. Mehr als 350 Million Euro Umsatz pro Team, circa 70.000 Zuschauer pro Spiel und mehr als 13 Milliarden Dollar Umsatz Ligaweit, all das sind Bestwerte. Diese große Beliebtheit hat viele Gründe, einer von ihnen ist sicherlich der Sport selbst. Durch die kurzen Unterbrechungen nach jedem Spielzug, damit sich die Teams wieder aufstellen können, entsteht eine gigantische Spannung. Jeder einzelne Spielzug ist wichtig und kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Ein 3 zu 0 im Fußball ist nur schwer wieder aufzuholen, eine 21 zu 0 Führung im Football kann innerhalb weniger Minuten dahin schmelzen.
Weitere Gründe sind die verschiedensten Regularien in der NFL. In der Bundesliga ist Bayern München auf dem Weg, seine 10. Meisterschaft in Folge zu gewinnen, in der NFL wäre so eine Serie kaum möglich. Alle Regeln zielen auf ein Ziel ab: Die Liga soll jedes Jahr so spannend wie möglich sein.
Es gibt den Draft, bei dem die schlechtesten Teams ein Vorrecht auf die talentiertesten Spieler haben. Der Salary Cap, eine Gehaltsobergrenze, sorgt dafür, dass kein Team sich einfach die besten Spieler kauft, wie es zum Beispiel im Fußball üblich ist. Der Modus mit 16, dieses Jahr zum ersten Mal 17 Saisonspielen und dem Playoff-Modus sorgt für große Spannung. Durch die wenigen Saisonspiele ist jedes einzelne Spiel von enormer Bedeutung. Dank des Playoff-Modus, einem KO-System, kann jeder Favorit überraschend scheitern. Es gibt noch unzählige weitere Gründe und Regularien, anhand derer man den Erfolg der NFL bestimmen könnte. Wie oben schon erwähnt haben diese alle zum Ziel, die Liga spannend zu machen. Und das funktioniert unglaublich gut und ist einfach gesagt der Grund für den Erfolg der NFL.
Größte Fanbase außerhalb der USA: Deutschland
Die NFL spricht von 19 Millionen Football-Fans in Deutschland, das sind mehr als in jedem anderen Land, die Vereinigten Staaten einmal ausgenommen. Generell ist die NFL sehr daran interessiert, sich in verschiedenen Ländern zu etablieren. So werden jedes Jahr zwei Football-Spiele in London ausgetragen. Auch Spiele in Deutschland sind in Planung, das soll entweder in der Saison 2022 oder 2023 passieren. Der ehemalige deutsche Football-Spieler und zweifacher Super-Bowl-Champion Sebastian Vollmer ist sich sicher:
„Das wird sofort einen Riesenhype auslösen. Mit dem Spiel in Deutschland wird es eine regelrechte Explosion geben“.
Der Standort für das erste NFL Deutschland Spiel steht noch nicht fest, es wird aber zwischen Düsseldorf, Frankfurt und München entschieden.
Mittlerweile haben sogar die ersten vier Teams Marketingrechte für Deutschland bekommen: New England Patriots, Kansas City Chiefs, Tampa Bay Buccaneers und Carolina Panthers. Diese Teams dürfen jetzt in Deutschland Sponsorenverträge unterschreiben oder eine Niederlassung errichten. Das wird zur Folge haben, dass auch die Stars aus Amerika mal vor Ort sein werden. Wie genau das alles abläuft, steht allerdings noch nicht fest. Für viele Football-Fans wird es aber sicherlich ein Riesenereignis, ihre Stars hautnah zu erleben, denn sonst hat man kaum die Chance dazu.
European League of Football
Der Hype, der in Deutschland entstanden ist, hat Patrick Esume und Zeljko Karajica dazu veranlasst, am 04. November 2020 eine eigene Football-Liga zu gründen, die European League of Football (ELF). Patrick Esume ist ehemaliger Football-Spieler und Coach, heute kommentiert er für ProSieben NFL-Spiele und hat zusammen mit dem Ex-NFL-Spieler Björn Werner einen Podcast Namens “Football-Bromance”. Zeljko Karajica ist Manager und Unternehmer, er war unter anderem Geschäftsführer der ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH.
Die erste Saison startete mit sechs deutschen, einem polnischen und einem spanischen Team. Das Finale wurde am 26. September 2021 zwischen Frankfurt Galaxy und den Hamburg Sea Devils ausgetragen, Frankfurt gewann mit 32 zu 20. Rund 22.000 Zuschauer waren im Stadion, das zeigt, dass Interesse an der Liga besteht. Generell lief die erste Saison sehr professionell, alle Spiele werden per Stream und teilweise im Free-TV übertragen, dazu gibt es tiefgreifende Statistiken wie in den USA. Das Social-Media-Angebot ist breit, es gibt zudem bereits eigene Video-Produktionen und auch das Angebot an Fanartikeln nimmt zu. Man hat sich hier als Vorbild ganz klar die NFL genommen, aber auch Esume weiß:
„Im Vergleich zur NFL in den USA ist es so, wie mit einem Roller bei der Tour de France anzutreten“.
Auch wenn die NFL und ELF wahrscheinlich niemals auf einer Stufe sein werden, so hat die europäische Liga doch ambitionierte Ziele. Für die nächste Saison wurden bereits vier weitere Teams angekündigt, davon ein deutsches, ein türkisches und zwei aus Österreich. Mittelfristig soll die Anzahl von aktuell 12 auf 24 steigen und insgesamt aus 10 verschiedenen europäischen Ländern kommen. Dazu ist es ihr Ziel, ungefähr eine halbe Milliarde Menschen zu erreichen.
Große Kritik an der ELF
Grade hierzulande gefällt die neu gegründete EFL nicht allen. Denn es gibt schon eine Football-Liga in Deutschland, die German-Football-League (GFL). Klar, dass die neue Konkurrenz den Eigentümern der lang bestehenden GFL nicht gefällt, aber es geht um mehr als nur einen Konkurrenzkampf. Der ELF wird vorgeworfen, sich an den vorhandenen Strukturen der GFL zu bedienen und dem Nachwuchs keine Chance zu bieten. Axel Streich, Sprecher und Ligavorstand der GFL, hat eine klare Meinung dazu:
"Das tut dem Football aus unserer Sicht nicht gut. Zumal sich diese Franchises und die Liga insgesamt der vorhandenen Strukturen bedient und für wirtschaftliche Interessen ausnutzt, ohne Kompensation anzubieten."
Vorwürfe, die sicherlich nicht aus der Luft gegriffen sind, denn bereits einige Spieler sind von der GFL zur ELF gewechselt. Aus Spieler-Sicht ist das mehr als verständlich, die ELF hat mehr Geld zur Verfügung und kann höhere Gehälter zahlen. Auch der Reiz, sich nicht nur mit den besten deutschen, sondern auch den europäischen Spitzenteams zu messen, ist nachvollziehbar. Teams wie Ingolstadt oder Hannover haben sich in der GFL abgemeldet, um in der ELF zu spielen, nur haben sie da erst mal keinen Platz bekommen – ein weiterer Grund, der für Unverständnis sorgt. Tilman Engel, der neun Jahre lang Manager der Frankfurt Galaxys war, sieht es noch kritischer:
"Der existierende deutsche Football wird kannibalisiert. Es werden keine neuen Dinge geschaffen, sondern aus bestehenden Vereinen Teile des Kaders herausgebrochen”.
Die zentrale Frage ist: Gibt es hierzulande genug Platz für zwei Football-Ligen? Die GFL gibt sich selbstbewusst und ist sich sicher, dass sie am Ende die einzige relevante Football-Liga in Deutschland sein wird:
"Dadurch, dass wir Teil des organisierten Sports sind und ein Deutscher Meister ermittelt wird, ist das für uns keine Konkurrenz. Da wird irgendein Bowl ausgespielt, der aus unserer Sicht nicht wirklich einen Wert hat”.
Wer jetzt am Ende recht hat, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Auf der einen Seite kann man den Verantwortlichen der GFL nur schwer widersprechen, da ihre Liga vor großen Problemen steht und Spieler aus der Liga gerissen werden. Auf der anderen Seite muss die seit über 40 Jahren bestehende Liga sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie mit dem vorhandenen Potenzial wenig gemacht hat. Welche Liga sich am Ende durchsetzt oder ob es doch eine langfristige Koexistenz geben wird, wird die Zukunft zeigen.
Football-WM 2023 in Deutschland
Die Football-WM wird wie im Fußball alle vier Jahre ausgetragen. Die erste WM fand 1999 statt, die letzte 2015. Denn die WM 2019 wurde abgesagt. Das Turnier war in Australien geplant. Da aber zu viele Teams abgesagt hatten, konnte das Event nicht stattfinden. Grund dafür war, dass die WM zu kurzfristig angekündigt wurde, sodass die Teams nicht genug Zeit hatten, Förderanträge für die Reise nach Australien zu stellen und so hätte sich der finanzielle Aufwand einfach nicht gelohnt. Dazu kollidierten nationale Termine mit der geplanten WM.
Eine ähnliche Situation gab es schon im Jahr 2015, damals sollte die WM in Schweden ausgetragen werden. Da die Organisation komplett schief ging, hatte man sich kurzfristig dazu entschlossen, die WM in die USA zu verlegen. Aber auch das ging nicht ohne Probleme: Deutschland konnte nicht teilnehmen, da dies einen sechsstelligen Betrag gekostet hätte.
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Diese Probleme zeigen den Stellenwert des Footballs: In den meisten Sportarten ist eine WM das größte Ereignis überhaupt: Sein eigenes Land zu vertreten und sich mit den Besten der Welt messen, ein Traum für jeden Sportler. So läuft es aber nicht im Football, dort spielen fast alle Stars in der NFL und diese nehmen auch nicht an der WM teil, weil ein Verletzungsrisiko besteht, das die Vereine nicht eingehen wollen. Verständlich, wenn man bedenkt, dass Spieler wie Patrick Mahomes einen 10-Jahres-Vertrag über 500 Millionen Dollar unterschrieben haben.
Immerhin scheint die Organisation für die kommende WM gut zu laufen. Die Teams haben diesmal genug Zeit, sich auf alles vorzubereiten und auch die nationalen Termine abzustimmen. Deutschland ist die erste Nation, die die Football-WM zum zweiten Mal austragen darf. Gerade in Bezug auf die kommenden NFL-Deutschland-Spiele, die zum Zeitpunkt der WM schon gespielt sein sollten, können doch einige Fans in den Stadien erwartet werden. Auch wenn NFL und WM nicht ansatzweise auf einem Spielniveau sind, so ist die WM doch der attraktivste Football, den man in Deutschland im Stadion verfolgen kann.
Der Ablauf der WM steht noch nicht genau fest, allerdings gibt es schon grobe Pläne. Seit 2011 soll die WM erstmals wieder mit acht Teams an den Start gehen. Zudem muss man noch entscheiden, ob ein WM-Modus mit zwei Vorrundengruppen und Finalspielen oder ein KO-Runden-System von Anfang an gespielt wird, beides gab es schon. Wie auch immer das Event am Ende ausgetragen wird, man hat schon den Eindruck, dass die International Federation of American Football (IFAF), die die WM organisiert, diesmal einen besseren Job macht und sich einige Football Fans in den Stadien wiederfinden werden.
Quellen
- Wikipedia: Geschichte des American Football
- Wikipedia: European League of Football
- MDR: American Football Kritik
- MDR: Gründung European League of Football
- ran.de: Top 20 Ligen mit dem höchsten Zuschauerschnitt der Welt
- football-aktuell.de